Greenpeace protestiert vor dem AKW Biblis

Atomkraft

Greenpeace-Aktivisten haben am frühen Sonntagmorgen am Atomkraftwerk Biblis den Aufsichtsbehörden mit einer Protestaktion Schlamperei und Fahrlässigkeit vorgeworfen. Auf den Kühlturm des abgeschalteten südhessischen Meilers projizierten sie ein Großbilddia mit dem Spruch „AKW Biblis: 28 Jahre Russisch-Roulette!“ Damit wollte die Organisation darauf hinweisen, dass das Notkühlsystem bereits seit der Inbetriebnahme des AKWs 1975 unzureichend ist und nicht der Betriebsgenehmigung entspricht. Greenpeace forderte, den Betreiber RWE und die politisch Verantwortlichen in den Atomaufsichtsbehörden von Land und Bund zur Rechenschaft zu ziehen.

RWE müsse die Betriebsgenehmigung für das AKW entzogen werden, so die Umweltorganisation. Am 17. April 2003 hatte RWE das hessische Umweltministerium darüber informiert, dass die Ansaugöffnungen der Notkühlpumpen zu klein sind. Ihre Bruttofläche beträgt nur 5,9 statt der vorgeschriebenen 7,3 Quadratmeter. Die zu kleine Fläche ist eine Gefahr, da bei einem Störfall im Reaktor das Kühlwasser nicht schnell genug angesaugt werden kann. Dadurch könn sich der Reaktor so weit erhitzen, dass es zur Kernschmelze, zum Super-GAU kommt, so die Umweltschützer.

"Der hoch gepriesene Sicherheitsstandard deutscher Atomkraftwerke ist um keinen Deut besser als in den Ländern Osteuropas.“, kritisiert Greenpeace-Atomexpertin Susanne Ochse.

Als „Gipfel der Fahrlässigkeit“ bezeichnete es die Organisation, dass laut Bundesumweltministerium die falsche Quadratmeterzahl sogar in den Sicherheitsnachweisen des AKWs stehe, die RWE dem hessischen Umweltministerium vorlegte. Auch dem Ministerium fiel der Fehler nicht auf. "Es muss jetzt umgehend geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist", erklärt Susanne Ochse,

"in den Aufsichtsbehörden scheint man vergessen zu haben, dass Atomkraft keine Fehler verzeiht."

Wie Greenpeace mitteilte, schritten Polizei und Wachschutz während der Protestaktion nicht ein.