Nachrichtensender kämpfen um Marktführung bei Irak-Berichterstattung

Krieg um Bilder aus Irak

Auf einer Nebenfront des Irak-Krieges treten die internationalen Nachrichtensender gegeneinander an. Der bisherige Marktführer CNN gerät dabei immer mehr unter Druck. Die Bilanz der ersten Kriegswoche zeige, dass Rupert Murdochs Sender Fox News den Sender CNN bei den Zusehern überholt hat. Das Rezept, auf das der Newcomer setzt, enthält eine kräftige Prise US-Patriotismus, berichtet das Handelsblatt. Die bisherige Bilanz des Krieges zeige, dass der Sender von Rupert Murdoch das Medienspektakel um den Konflikt besser nutze als der bisherige Marktführer CNN. Demnach hatte Fox News in der ersten Kriegswoche 4,16 Millionen Zuschauer während CNN nur auf 3,74 Millionen komme. Das Ergebnis trotzt den rund 30 Millionen Dollar, die der Marktführer laut Wall Street Journal in Sachen Nachrichten für die Irak-Berichterstattung bereitgestellt hat.

Die Bilanz der ersten Kriegswoche zeige deutlich, dass die Zeiten der Alleinherrschaft von CNN im internationalen TV-Nachrichtengeschäft vorbei seien.

Der Aufstieg von CNN

Dabei verdankt CNN seinen internationalen Durchbruch dem Golfkrieg von 1991. Diesmal wollte der Sender aus Atlanta den Krieg nutzen, um seine Führungsposition abzusichern und auszubauen. Nun scheine es aber eher so zu sein, dass der Irak-Krieg für die Konkurrenz werde, was der erste Feldzug gegen Saddam Hussein für CNN war, so das Handelsblatt. Seit Kriegsausbruch sei die Zuschauerzahl zwar um mehr als 400 Prozent gestiegen, jedoch ziehe Fox News gleichermaßen mit. Damit schließe der Mitte der 90er- Jahre gegründete Murdoch-Sender zu CNN auf.

Dieses Ziel habe der Sender vor allem mit einer kräftigen Prise Patriotismus erreicht. CNN setze hingegen auf möglichst objektive Berichterstattung. Zwar sprächen auch CNN-Moderatoren oft von "wir" und "unseren Truppen", aber Fox News sei in dem Punkt weitaus patriotischer. Breaking News und Analysen würden mit konservativer Meinungsmache gegen Kriegsgegner und Friedensdemonstranten gewürzt.

Starjournalist wegen kritischer Berichte gefeuert

Dem Konkurrenten MSNBC werde wegen des Interviews von Peter Arnett sogar Landesverrat vorgeworfen. Der Starjournalist Arnett wurde vom US-Sender NBC wegen eines Interviews im staatlichen irakischen Fernsehen, in dem er sich zum Vorgehen der USA im Irak kritisch geäußert hatte gefeuert. Arnett hatte in dem Interview mit dem irakischen Fernsehen den Kriegsverlauf analysiert. Unter anderem sagte er, dass die US-Kriegspläne am Widerstand der Iraker gescheitert seien. Die Berichte der westlichen Journalisten über zivile Opfer und den Widerstand der irakischen Truppen würden in den USA jenen helfen, die gegen den Krieg sind, um ihre Argumente zu entwickeln. In den USA stießen die Aussagen des in Neuseeland geborenen Journalisten auf heftige Kritik. NBC verteidigte ihn zunächst, trennte sich aber nach zunehmender Kritik schließlich von Arnett. Es sei falsch von ihm gewesen, seine persönliche Meinung wieder zu geben. Auch der Starjournalist selbst sagte der Auftritt im irakischen Fernsehen sei ein "Fehlurteil" gewesen. Allerdings habe er nur gesagt, was alle bereits über den Krieg wüssten.

Konkurrenz von Al-Jazeera

Auf der internationalen Ebene grabe derweil der arabisch-sprachige Sender Al-Jazeera dem US-Marktführer in weiten Teilen der Welt das Wasser ab. Der in Katar beheimatete Sender hat sich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einen internationalen Ruf als "unabhängiger" Nachrichtensender erworben. Hier würden harte Nachrichten mit anti-amerikanischer Stimmungsmache und Bildmaterial, das auf westlichen Sendern kaum zu sehen sei, garniert. Auch dieses Rezept komme beim Publikum des Senders offenbar an. Zwar erreicht CNN weltweit mehr als 160 Millionen Zuseher und Al-Jazeera nur rund 35 Millionen, aber das Publikum des arabischen Senders wächst.