Bahn kippt Vorstände und Preissystem

Kritik wirkt

Die Deutsche Bahn AG reagiert auf massive Umsatzeinbrüche und heftige Kritik an ihrem Ende letzten Jahres eingeführten Preissystem: Als Sofortmaßnahme werden die Umtauschgebühren für "Plan und Spar"-Fahrkarten ab Mittwoch von 45 auf 15 Euro gesenkt. Das Preissystem wird einer Untersuchung auf Kundenfreundlichkeit unterzogen. Die für das Preissystem verantwortlichen Bahn-Vorstände für Personenverkehr und Marketing, Christoph Franz und Hans-Gustav Koch, müssen zudem ihren Hut nehmen. Dem ebenfalls umstrittenen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn dagegen hielt der Bahn-Aufsichtsrat am Dienstag demonstrativ den Rücken frei: sein Vertrag wird bis 2008 verlängert.

Die Bahn hatte nach Einführung der neuen Tarife massive Einbußen im Fernverkehr zu beklagen: Der Umsatz zwischen Januar und März lag 19 Prozent unter Plan und 14 Prozent unter dem des Vorjahresquartals. Der Aufsichtsrat zog jetzt die Notbremse.

Die Allianz pro Schiene, ein Zusammenschluss von 16 Non-Profit-Organisationen, darunter die Fahrgastorganisationen Pro Bahn und VCD und die Umweltverbände NABU und BUND, begrüßte die Ankündigungen der Bahn. "Die Deutsche Bahn reagiert erfreulich schnell auf die erschreckenden Einbrüche bei den Fahrgastzahlen", sagte Dirk Flege, der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene am Dienstag in Berlin.

Die Fahrgastzahlen von nur einem Quartal seien zwar eine "eher dürftige" Grundlage, das neue Preissystem der DB AG zu bewerten. Ein Zusammenhang zwischen den rückläufigen Fahrgastzahlen des ersten Quartals 2003 und dem seit Dezember gültigen Preissystem sei jedoch wahrscheinlich. Offenbar werde das Preissystem von den Kunden nicht akzeptiert, wie auch repräsentative Umfragen belegen. "Letztlich entscheidet nur einer über Erfolg oder Misserfolg: der Kunde", so Flege.

Experten schlagen unter anderem die Wiedereinführung der alten BahnCard, unter Umständen auch als teurere "Gold"-Version mit höheren Rabatten, vor. Besonders für die Menschen in Ostdeutschland sei zudem eine Rabatt-Möglichkeit auch auf Nahverkehrsverbindungen erforderlich, forderte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt. Durch die Streichungen bei den preiswerten InterRegio-Zügen, die die Bahn nicht vermarktete und dann als unrentabel einstellte, sind weite Teile Ostdeutschlands nur noch mit Regionalzügen erreichbar.