SARS verursacht Lockerung der Zensur in China

Pressefreiheit

Die durch die Lungenkrankheit SARS ausgelöste Krise hat für chinesische Medien auch positive Seiten. Die Berichterstattung in der von Zensur geprägten autoritären Volksrepublik schafft sich vor dem Hintergrund der Krise Freiräume, die chinesische Medien bisher ebenso wenig kannten wie die Politiker und das Publikum des Landes, berichtet das Wall Street Journal. Zumindest konnten eine Lockerung der Medienzensur in der jüngsten Vergangenheit beobachtet werden. Zudem erwarte die chinesische Öffentlichkeit nach SARS von den Medien eine sorgfältige, wahrheitsgemäße und zeitgerechte Berichterstattung und keine Propaganda mehr.

"SARS wird einen großen Einfluss auf die journalistische Praxis und Ausbildung haben", versichert Li Xiguang, Leiter des Center of International Communications Studies an der Tsinghua Universität in Peking. Dies äußere sich durch eine deutliche Zunahme von Live-Sendungen von Pressekonferenzen oder Interviews im chinesischen Fernsehen. So wurde beispielsweise der Gouverneur der Provinz Shanxi von einem CCTV-Reporter sofort unterbrochen, als dieser eine Frage zum Thema SARS nicht zur Zufriedenheit des Journalisten beantwortete. Ein Vorgehen, das bisher im chinesischen TV unbekannt war. Auch die Zeitungen des Landes gingen dazu über, neben die üblicherweise von der offiziellen staatlichen Nachrichtenagentur verfassten Berichte über Parteiführer ihre eigenen Reportagen zu stellen.

Auch Themen, die nichts mit SARS zu tun haben, würden sofort aufgegriffen und nicht erst nach Tagen oder gar Wochen darüber berichtet. Dass die neuen Freiheiten auch ihre Grenzen haben, zeigt jedoch das Beispiel des Chefredakteurs des Boulevardblattes Peking Star Daily. Er wurde von den Behörden kräftig gerügt, weil er die Entlassung des Gesundheitsministers sowie des Pekinger Bürgermeisters groß auf der Titelseite gebracht hatte.