Väter-Verein fordert beide Elternteile für Trennungskinder

Gegen "ungebrochene Macht" der Mütter

Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" fordert von der Bundesregierung gesetzliche Schritte für eine Gleichstellung von Vätern bei der Kinderbetreuung im Trennungsfall. Zwar sei das neue Kindschaftsrecht von 1998 eine Verbesserung, da nun die gemeinsame Sorge nach einer Scheidung mit 80 Prozent der Regelfall sei, sagte Vorstandssprecher Dietmar Nikolai Webel auf der Jahrespressekonferenz des Vereins am Dienstag in Berlin. Jedoch würden nach wie vor die Kinder im Streitfall der Mutter zugeordnet. "Die Macht der Mutter im Familienrecht ist ungebrochen", kritisierte Webel.

"Das neue Kindschaftsrecht wird noch nicht umgesetzt", stellte Vorstandsmitglied Horst Schmeil fest. Bei unehelichen Kindern gelte weiterhin das alleinige Sorgerecht der Mutter als Norm, doch hätten auch jene ein Anrecht auf beide Elternteile. "Die hälftige Verantwortung beider Eltern für ihre Kinder ist unumgänglich", sagte Schmeil. Er forderte zudem Schiedsverfahren, um die Beilegung von Sorgerechtsstreitigkeiten vor Gericht zu beschleunigen.

Mit Blick auf die 230 000 Kinder, die jährlich von Trennung und Scheidung betroffen sind, kritisierte Webel, dass "dieses zentrale Thema in seiner Dimension nicht erkannt und politisch nicht bearbeitet wird". "Zwei Jahre nach einer Scheidung klappt der Umgang zwischen Kindern und ihren Vätern nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt", zitierte Webel eine Studie. Davon betroffen seien auch Verwandte und Familienangehörige. Bei 20 Prozent der Fälle des alleinigen Sorgerechts der Mutter werde der Vater von der Kinderbetreuung "weitgehend ausgehebelt", und Kontinuität und Bindung würden gestört, sagte Webel. Da jede dritte Ehe geschieden werde, sehe jeder sechste Vater eines Tages seine Kinder nicht mehr. Von dieser Entwicklung seien jedoch zunehmend auch Mütter betroffen. Der Verein prognostiziert einen Anstieg der Zahl von der Kinderbetreuung ausgeschlossener Mütter auf zehn Prozent.