Ökosteuer auf Mallorca droht das Aus

Wahlen auf den Balearen

Anlässlich der am heutigen Freitag stattfindenden Wahl des Regierungspräsidenten der Balearen fordert die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) den wahrscheinlichen Wahlsieger Jaume Matas von der Volkspartei (PP) auf, seine Forderung nach Abschaffung der Ökosteuer zu überdenken und Mallorca eine Chance auf umweltgerechte und dauerhafte Entwicklung zu geben. Die Steuer von einem Euro pro Tag und Gast wurde im Mai 2002 eingeführt. Nach Ansicht des zukünftigen Regierungschefs ist sie aber eines der größten Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung der Balearen.

Dabei habe die gegenüber den Kurtaxen klassischer deutscher Tourismusorte durchaus moderate Abgabe ihren Sinn und Zweck erfüllt, nämlich die massiven Schäden, die durch die jährlichen Touristenströme entstehen, durch gezielte Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen wieder auszugleichen, so die Stiftung. Innerhalb eines Jahres seien durch die Ökosteuer rund 17,2 Millionen Euro eingenommen worden. Ein Großteil der 70 geplanten Projekte sei mittlerweile angelaufen. Mit Hilfe der Abgabe habe man etwa wertvolle Biotope wie die Dünenlandschaft Son Serra de Marina im Norden der Insel oder einen naturbelassenen Küstenstreifen in der Bucht von Alcudia gekauft und unter Schutz gestellt. Verschiedene Hotelruinen, welche die Landschaft verschandelten, seien entfernt und das Radwegenetz ausgebaut worden.

Auch die Bauern hätten durch eine Subventionierung ökologisch verträglicher Anbaumethoden von den Touristen-Millionen profitiert. Nach Angaben der ehemaligen grünen Umweltministerin Margalida Roselló rechnete die Regierung für 2003 mit etwa 35 Millionen Euro Ökosteuer-Einnahmen. Neben den zahlreichen laufenden Projekten sollte das Geld für die Müll- und Altlastenentsorgung an der Playa de Palma eingesetzt werden.

"Die auf den Balearen eingeführte sogenannte ,Ecotaza' hat für den gesamten Mittelmeerraum Vorbildcharakter", erläutert der Präsident der Umweltstiftung Euronatur, Claus-Peter Hutter. Es wäre ein „Verbrechen an dem Naturerbe der Balearen“, sollten die angefangenen Projekte jetzt abgebrochen und alte Umweltsünden wiederholt werden. Für naturinteressierte Touristen würde die Insel damit enorm an Wert verlieren, befürchtet Hutter.