Greenpeace wehrt sich gegen Vorwürfe des BGA

Pestizidbelastet

Mit Kritik hat die Umweltorganisation Greenpeace auf die Vorwürfe des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) reagiert. "Der BGA sollte weniger hysterisch auf berechtigte Kritik reagieren und zur Sach-Diskussion zurückkehren", so Greenpeace Chemie-Experte Manfred Krautter. Der BGA hatte der Umweltorganisation vorgeworfen, die Verbraucher zu täuschen und mit einer "bekannten Masche aus Halbwahrheiten und pseudo-wissenschaftlichen Behauptungen" auf sich aufmerksam machen zu wollen. Greenpeace hatte zuvor zum sechsten Mal in diesem Jahr Ergebnisse der Pestizid-Messungen in Obst und Gemüse von großen deutschen Handelsketten veröffentlicht und bei den untersuchten Proben zum Teil erhebliche Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte festgestellt.

Gleichzeitig fanden sich gehäuft gesundheitlich besonders bedenkliche Mehrfachbelastungen mit Pestiziden. Untersucht wurden unter anderem Paprika, Tafeltrauben und Erdbeeren.

Die Greenpeace-Ergebnisse seien keine Einzelfälle, so die Organisation. Tests der Stiftung Warentest, Ökotest und von TV-Magazinen aus den letzten Jahren seien zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. In bestimmten Obst- und Gemüsesorten würden die gesetzlichten Vorgaben häufig nicht eingehalten. Die EU habe bereits im vergangenen Jahr die deutschen Behörden gerügt: "Rückstände in Lebensmitteln werden (in Deutschland) nicht als eine ernsthafte Gefahr angesehen. Produkte, deren Rückstände die gesetzlichen Höchstwerte überschreiten, werden in der Regel nicht beschlagnahmt." Von "einseitigem Anprangern zulässiger Toleranzwerte", wie es der BGA schreibt, könne bei der Fülle der Ergebnisse keine Rede sein.

Des Weitern seien die Untersuchungen durch erfahrene und qualifizierte Wissenschaftler durchgeführt worden. Die Organisation arbeite bei der Rückstandsuntersuchung mit unabhängigen und behördlich anerkannten Laboratorien und Instituten zusammen, die zu den besten in Europa zählten. Diese Institutionen würden auch die Bewertung der Grenzwertüberschreitungen vornehmen. Im konkreten Fall lasse Greenpeace die Lebensmittel, die direkt in Supermärkten gekauft werden, von einem der besten deutschen Fachlabors für Pestizidrückstände untersuchen.

Dieses Fachlabor sei für diese Untersuchungen bei Prüfinstitutionen akkreditiert und erfülle die behördlichen Anforderungen für Rückstandsuntersuchungen des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes, so die Organisation.

Auch seien gesundheitliche Risiken sind bei den gefundenen Belastungen nicht von der Hand zu weisen. In insgesamt 23 Prozent der 92 von Greenpeace untersuchten Proben der großen Lebensmittelketten wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt. In einigen der untersuchten Lebensmittel sei nicht nur der Grenzwert von einem, sondern die Grenzwerte von bis zu drei Pestiziden gleichzeitig überschritten worden. In 21 Prozent der Proben hätten sich vier oder mehr Pestizide gleichzeitig gefunden. Und die geltenden Grenzwerte berücksichtigten viele Wirkungen der Pestizide nicht ausreichend, etwa die hormonelle Wirkung. Die Kombinationswirkung von Pestiziden untereinander werde. außer Acht gelassen. Greenpeace berücksichtige diese Mehrfachbelastungen durch Anwendung eines Summengrenzwertes. Dies diene dem Gesundheitsschutz, werde aber vom BGA als "unzulässig" angeprangert.