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Politik zieht keine Konsequenzen aus Pisa

Pädagogen schikaniert

Auch fast zwei Jahre nach PISA haben die Bundesländer kein erkennbares Konzept erarbeitet, mit dem die aus PISA notwendigen Konsequenzen gezogen werden. Weder werden sozial Benachteiligte und schwächere Schüler konsequent gefördert, noch gibt es einen schlüssigen Plan, das Gesamtleistungsniveau an den Schulen zu verbessern. Das kritisiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Geplante Einzelmaßnahmen blieben Flickwerk und würden auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer ausgetragen, so Eva-Maria Stange, Vorsitzende der (GEW), während der Schuljahresauftakt-Pressekonferenz der Bildungsgewerkschaft am Donnerstag in Berlin.

Die Kultusminister und Landesregierungen müssten begreifen, dass Lehrkräfte keine störenden Kostenfaktoren sind, sondern der Schlüssel für Bildungsreformen. Obwohl viele Politiker und Wirtschaftsvertreter nicht müde würden, die hohe Bedeutung von Bildung zu betonen, werde weder den Beschäftigten noch dem Bildungswesen mehr Beachtung geschenkt. Den Pädagogen würden die Gehälter gekürzt und die Arbeitszeit verlängert. Das demotiviere und zeuge von Geringschätzung der Lehrerarbeit, so die Kritik. Gleichzeitig werde aber erwartet, dass die Lehrer konstruktiv und engagiert neue und zusätzliche Aufgaben übernehmen. Dies zeige die komplette Streichung des Urlaubsgeldes, die Kürzung des Weihnachtgeldes - je nach Bundesland - auf 40 bis 70 Prozent der bisherigen Höhe sowie die Verlängerung der Arbeitszeit wie in Berlin, Hamburg oder Baden-Württemberg.

"Verschärfte Auslese und ein Zurückfahren von Förderangeboten, Testeritis und Populär-Themen wie Benimmunterricht oder Schuluniformen haben den Ministern die Feder bei den Neuerungen für das Schuljahr 2003/2004 geführt", kritisierte die GEW-Chefin. So setze Niedersachsen mit der Abschaffung der Orientierungsstufe auf noch frühere Auslese der Kinder.

Unter dem Deckmäntelchen der Qualitätssicherung führten viele Bundesländer zusätzliche Tests nach Klasse vier ein. Komplettiert werde das Auslesearsenal durch zentrale Abschlussprüfungen an Haupt- und Realschulen wie in Hessen und Niedersachsen. "Parallel zu diesen Maßnahmen wird sich die Unterrichtsversorgung in fast allen Bundesländern verschlechtern, weil nicht dem Bedarf entsprechend eingestellt wird", hob Stange hervor. Das führe zu größeren Klassen und einer weiteren Arbeitsverdichtung für die Lehrkräfte. Darüber hinaus werde, um wenigstens den Pflichtunterricht mehr schlecht als recht zu gewährleisten, zuerst beim Förderunterricht abgeschmolzen. Das gehe zu Lasten schwächerer Schüler und von Kindern aus Migrantenfamilien.

Lediglich im Grundschulbereich sieht die GEW das Bemühen der Länder, erste Reformschritte anzugehen. Eine ganze Reihe weiteten ihre Ganztagsangebote aus oder setzten auf Modelle wie die "Verlässliche Grundschule". Viele Länder flexibilisierten die Schuleingangsphase, lockerten die Einschulungsstichtage, förderten den Fremdsprachenunterricht ab der ersten und dritten Klasse und stellten zusätzliche Unterrichtsstunden für den Deutschunterricht bereit. "Die Lehrkräfte werden jedoch nicht mitgenommen und für ihre neuen Aufgaben wie die Ganztagsschule oder den Fremdsprachenunterricht rechtzeitig qualifiziert", unterstrich Stange.