Einwohner protestierten gegen Abriss ihres Dorfes - Lakoma bleibt

Braunkohleabbau

Am heutigen Donnerstag fand in Potsdam eine Demonstration für den Erhalt des vom Braunkohletagebau "Cottbus Nord" bedrohten Dorfes Lacoma bei Cottbus statt. Mehr als 100 Einwohner des Dorfes und Unterstützer aus der Landeshauptstadt nahmen an der Demonstration teil. Die Streckenführung erfolgte vom Haus der Natur in der Potsdamer Lindenstraße über die Charlottenstraße, Ebertstraße zur Staatskanzlei.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden an Potsdamer Passanten Infos zum Abriss, der Anfang Oktober geplant ist, verteilt. Im Vorfeld der Protestaktion fand im Haus der Natur eine Pressekonferenz mit der Europatagsabgeordneten Elisabeth Schroedter (Bündnis 90/Grüne) statt. Frau Schroedter verwies erneut darauf, dass das Vertragsverletzungsverfahren, welches die Europäische Union (EU) gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen der zu geringen Meldung von europarelevanten Schutzgebieten (FFH-Gebieten) führt, läuft. Hier können Strafzahlungen in Millionenhöhe auf das Land Brandenburg zukommen.

Weiterhin werde sie sich dafür einsetzen, dass die Subventionen für den Braunkohleabbau, ohne die ein betriebswirtschaftliches Betreiben der Tagebaue nicht möglich wäre, abgebaut werden. "Das größte Vorkommen der nach europäischem Recht besonders geschützten Rotbauchunke (Bombina bombina) darf nicht dem Braunkohlebergbau geopfert werden. Das Land Brandenburg verstößt mit der Nichtmeldung gegen rechtliche Bestimmungen der EU" so Elisabeth Schroedter.

René Schuster, Vorsitzender des Lacoma-Vereins und Vertreter der GRÜNEN LIGA im Braunkohleausschuß, berichtete, dass seitens des Landes noch keine Maßnahmen getroffen wurden, Ersatzbiotope für die wegfallenden Lacomaer Teiche anzulegen. "Mit den Landeigentümern und Nutzern der Cottbusser Spreeaue, die vom Land als neue Teichlandschaft vorgesehen ist, wurden noch nicht einmal Gespräche geführt" so Schuster.

"Damit ist die von Vattenfall und vom Land Brandenburg verfolgte Zeitschiene illusorisch" so Schuster weiter. Der Abteilungsleiter für Planung und Struktur der Staatskanzlei, Herr Henning Heidemanns, empfing die Lacomaer stellvertretend für den in Polen weilenden Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Ihm wurde ein Stein des ersten am 1. September abgerissenen Wohnhauses aus Lacoma überreicht um auf die drohende Zerstörung des Kulturstandortes Lacoma hinzuweisen.

Henning Heidemanns sagte den Lacomaern seine Unterstützung zu. "Er werde die von der Lacomaer Abordnung vorgebrachten Argumente prüfen und dem Ministerpräsidenten vorlegen um wenigstens die jetzige akute Bedrohung des Dorfes abzuwenden" so Heidemanns. Der weitere Betrieb des Tagebaus Cottbus Nord ist rechtlich vakant, da insbesondere die europarechtlichen und wasserrechtlichen Bedingungen nicht geklärt sind. "Mit dem jetzt geplanten Abriss großer Teile des Dorfes sollen Tatsachen geschaffen werden, die den rechtlichen Entscheidungen vorgreifen" so der Landesgeschäftsführer der GRÜNEN LIGA.