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Gerätevielfalt verwirrt Verbraucher

Nicht kompatibel

Zum Abschluss der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Normenwirrwarr und fehlende Kompatibilität in der digitalen Welt kritisiert. Was bei der Schallplatte kein Thema gewesen sei und über Jahrzehnte bei der Kompaktkassette funktioniert habe, werde in der digitalen Welt zunehmend zum Ausnahmefall: das unproblematische Zusammenspiel zwischen Ton- oder Datenträger und verschiedenen Endgeräten. Beispiele hierfür sei die Vielzahl der Aufnahmeverfahren bei DVD-Recordern, Systeme zur Vernetzung der im Haus vorhandenen elektronischen Geräte oder unterschiedliche Betriebssysteme in Decodern für multimediales Digital-TV (Set Top Boxen). Infolgedessen wachse die Geräteflut, verbunden mit einem weiter steigenden Stromverbrauch.

"Mangelnde Systemverträglichkeit richtet sich stets gegen die Nutzerinteressen. Sie führt auf der Kundenseite zu Frust und unnötigen Kosten", so Patrick von Braunmühl, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsfragen. Trotz eines hohen Innovationstempos solle die Industrie daher einheitliche Standards schaffen.

Die Digitalisierung der Medien und die Möglichkeiten einer Vernetzung unterschiedlicher elektronischer Geräte im Haus würden Chancen und Risiken bergen. Einerseits entstehe mehr Übertragungskapazität so könne die Nutzung von Endgeräten durch Vernetzung optimiert werden. Andererseits entstünden neue und zum Teil recht aggressive Werbeformen im Fernsehen wie die Split-Screen Technik (Werbung und redaktioneller Inhalt präsentieren sich gleichzeitig auf dem Bildschirm) oder die virtuelle Werbung (Werbung wird digital ins laufende Programm eingebaut). Auch ist nicht ausgeschlossen seo, dass die Digitalisierung zu mehr kostenpflichtigen Zielgruppen-Programmen führen wird (Pay-TV) und die Vielfalt frei empfangbarer TV-Programme darunter leidet. Diese Trends seien für die Verbraucher nachteilig und würden durch den Einsatz sogenannter proprietärer Technik noch verstärkt. So setzten einzelne Anbieter bewusst auf eigene Produktstandards, die mit denen anderer Anbieter nicht verträglich seien. Ein Negativbeispiel sei die d-box von Premiere (ehemals Kirchgruppe), mit der digitale TV- oder Multimediadienste anderer Programmanbieter nur eingeschränkt oder gar nicht empfangen werden könnten.

Die Möglichkeiten der Digitaltechnik kämen aber den Verbrauchern nur dann zugute, wenn genormte Schnittstellen zwischen Netzen, Systemen und Endgeräten verfügbar seien und die Hersteller sie auch einsetzten. Ein derartiger einheitlicher Standard wäre die international genormte "Multimedia Home Plattform" (MHP). MHP stelle ein standardisiertes Betriebssystem für Set Top Boxen zur Nutzung multimedialer TV-Zusatzdienste dar. In einer gemeinsamen Erklärung hatten sich 2001 die Fernsehanstalten und die Unterhaltungsindustrie in Deutschland verpflichtet, MHP-fähige Dienste ab Mitte 2002 anzubieten. Dieser (Mainzer) Erklärung war seinerzeit auch Premiere beigetreten.

Als "umso bedauerlicher" bezeichnet es der Verband, dass Premiere nun seinen Rückzug aus der MHP-Allianz erklärt. "Diese Entscheidung ist eindeutig gegen die Interessen der Verbraucher gerichtet, da sie auf der Nutzerseite zu unnötigen Doppelinvestitionen in Empfangsgeräte führen kann. Außerdem beschädigt sie langfristig gesehen die Akzeptanz des digitalen Fernsehens," so Patrick von Braunmühl.

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