Proteste gegen Gen-Food

Cancún

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und seine Jugendorganisation BUNDjugend rufen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement auf, den Verbraucherschutz nicht im Interesse der Gentechnikindustrie aufzuweichen. Beim bevorstehenden Treffen der Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancun solle er klarstellen, dass die BürgerInnen der EU selbst bestimmen müssten, was sie essen, nicht die WTO. Die USA hatten die EU wegen ihres Gentechnik-Moratoriums bei der WTO verklagt. Damit sollten auch die Entwicklungsländer abgeschreckt werden, Gentechnik-Auflagen einzuführen oder beizubehalten, so die Kritik.

"Die USA versuchen mit Hilfe der WTO, den Europäern gentechnisch veränderte Lebensmittel aufzuzwingen.", kritisiert Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer. Die EU dürfe sich diesem Druck nicht beugen. 80 Prozent der EU-Bürgerinnen und Bürger wollten keine Gen-Nahrung. Clement habe deshalb den klaren Auftrag, sich in Cancun für ein gentechnikfreies Europa einzusetzen.

Am 11. September 2003 tritt das Cartagena Protokoll in Kraft, das Ländern explizit erlaubt, bei Verdacht auf Umwelt- und Gesundheitsgefahren den Import von gentechnisch veränderten Organismen zu verbieten. Die USA wollten mit ihrer WTO-Klage gegen die EU dieses internationale Umweltabkommen aushebeln.

"Die WTO ist ein Instrument der Industrie-Multis. Sie will ihre Handelsregeln über alle anderen Interessen setzen.", so Daniel Mittler, WTO-Experte des BUND. Trotzdem solle die WTO über den internationalen Zankapfel grüne Gentechnik entscheiden. Der Schutz der Verbraucher und der Umwelt drohe so zum Opfer des US-Gentech- Imperialismus zu werden. Internationale Umweltabkommen wie das Cartagena-Protokoll müssten Vorrang vor Handelsabkommen haben.

Der BUND und die BUNDjugend unterstrichen ihren Appell am heutigen Freitag vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit einer fünf Meter großen Gentomate. Für die Reise nach Cancun ließen sie Clement mehrere Hundert Pappteller mit den Unterschriften und Forderungen von Gentechnik-Gegnern überreichen. Die Botschaft: "WTO: Hände weg von unserer Nahrung."