Forscher finden viele Fischarten in der Ostsee

Auch Tropenfische dank Klimawandel

Die deutsche Ostsee ist entgegen landläufiger Meinungen ein vergleichsweise fischartenreiches Meer. Darauf verwies am Donnerstag Wissenschaftler des Meeresmuseums Stralsund und der Universität Rostock nach drei Forschungsfangreisen in Seegebieten vor Mecklenburg-Vorpommern. Während der neuntägigen Untersuchungen des neuen Spezialschiffs "Strelasund" seien 28 Fischarten nachgewiesen worden, sagte Meeresbiologe Ralf Thiel in Stralsund.

In die feinmaschigen Schleppnetze gingen neben typischen Nutzfischen wie Hering, Aal, Sprotte, Dorsch, Steinbutt, Scholle, Flunder, Plötze und Zander auch seltene Arten wie der Stöcker, die zu den Plattfischen gehörende Kliesche und die früher in der südlichen Ostsee weit verbreitete Finte. Als spektakulär gilt der Fang von Sardellen. Das Auftreten der eher in tropischen Meeren vorkommenden Heringsart könne als weiteres Zeichen für die Klimaerwärmung gewertet werden, sagte Thiel. Darüber hinaus seien Sand-, Strand-, Schwarz- und Schwimmgrundeln, zwei Sandaal-Arten, der Wittling, die Grasnadel und der Seeskorpion aufgespürt worden.

Die Fangreisen sind Teil eines bis Ende 2004 dauernden Forschungsprojekts im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Dabei sollen Kenntnisse über das Spektrum nicht kommerziell genutzter Fischarten in der deutschen Ostsee deutlich erweitert werden, sagte BfN-Meeresbiologe Henning von Nordheim.

Nach Probefängen im Gebiet der besonders artenreichen Oderbank, des Adlergrundes und der westlichen Roennebank ist für November erstmals eine viertägige Expedition zur Erforschung der Seegebiete vor den Inseln Usedom und Greifswalder Oie geplant. Mit weiteren Fangreisen im kommenden Jahr wollen sich die Wissenschaftler unter anderem auch auf das Vorkommen von Neunaugen sowie seltenen Süßwasserarten wie Rapfen, Groppe, Steinbeißer und der zum "Fisch des Jahres 2004" gekürten Alse konzentrieren.