Unicef fordert Maßnahmen gegen Kinderprostitution an deutscher Grenze

"Lagebericht Kinderhandel" gefordert

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef fordert verstärkte Anstrengungen gegen Kinderhandel und Kinderprostitution. Vertreter von Unicef und der Kinderrechtsorganisation Ecpat wandten sich am Dienstag in Berlin insbesondere gegen den Missbrauch von Kindern in der deutsch-tschechischen Grenzregion. Dort habe sich "ein regelrechter Markt für Kinderprostitution entwickelt", beklagten beide Organisationen anlässlich der Vorstellung der Studie "Kinder auf dem Strich - Bericht von der deutsch-tschechischen Grenze". Kinder würden von Familienangehörigen zur Prostitution gezwungen, Zuhälterbanden verschleppten Minderjährige aus osteuropäischen Ländern und entfernten Regionen Tschechiens in das Grenzgebiet. Die Opfer würden vorwiegend von deutschen Sextouristen missbraucht. Unicef sprach sich zugleich für einen "Lagebericht Kinderhandel" aus. Bislang fehle in Deutschland eine zusammenhängende Berichterstattung über Kinderhandel, die die Situation der betroffenen Kinder beleuchte. Auch müssten die betroffenen Kinder und Jugendlichen "als Opfer und nicht als illegal eingereiste Ausländer oder Straftäter behandelt werden".

Sie brauchten Hilfe und Betreuung sowie ein ausreichendes Bleiberecht, damit sie als Zeugen aussagen könnten. Ferner müsse sich die Bundesregierung für eine bessere Zusammenarbeit mit den Behörden in den Nachbarländern bei der Strafverfolgung einsetzen.

Unicef-Schirmherrin Christina Rau nannte es "schockierend, dass Kinder ganz in unserer Nachbarschaft skrupellos missbraucht werden". Es müsse alles getan werden, "um den Opfern zu helfen und weitere Kinder vor diesen Verbrechen zu schützen", betonte die Gattin von Bundespräsident Johannes Rau. Sie rief zur Unterstützung der Unicef-Aktion gegen den internationalen Kinderhandel "Kinder sind unverkäuflich!" auf.

Ecpat-Vertreterin Mechthild Maurer forderte ein energischeres Vorgehen von Polizei und Behörden gegen die Ausbeutung von Kindern. Sie mahnte zugleich, Prostitution und der Handel mit Kindern dürften nicht länger verleugnet werden.