WWF befürchtet grünes Licht für umstrittene Ölpipeline durch den Kaukasus

BP macht Druck

Nach Erkenntnissen des World Wide Fund for Nature (WWF) verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die Internationale Finanzkorporation (IFC), ein Arm der Weltbank, dem Druck kommerzieller Interessen nicht standhält und beim Vorstandstreffen am Dienstag grünes Licht für die Finanzierung der umstrittenen BTC-Pipeline geben wird. Diese Pipeline wird unter Federführung des Ölkonzerns BP durch den Kaukasus gebaut und soll ab 2005 Erdöl von Baku in Aserbaidschan über Tiflis in Georgien nach Ceyhan an der türkischen Mittelmeerküste transportieren.

Der WWF ruft die Verantwortlichen bei IFC und Weltbank dazu auf, die Finanzierung dieses verheerenden Projekts abzulehnen, weil es deutlich gegen ihre eigenen ökologischen und sozialen Standards verstößt. Außerdem fordert der WWF einen Baustopp, solange keine unabhängige Überprüfung des gesamten Projekts, seiner Auswirkungen auf die Umwelt und des bisherigen Genehmigungsverfahrens stattgefunden hat.

WWF-Naturschutzexperte Frank Mörschel: "Der WWF vermutet, dass sich die Weltbank aus Rücksicht auf einen ihrer mächtigsten Klienten, BP, an diesem Dienstag für die Finanzierung der Pipeline entscheiden wird. Dabei hat sie die Möglichkeit, dieses für Mensch und Natur fatale Projekt vorläufig zu stoppen, damit über machbare Alternativen diskutiert werden kann." Der WWF habe eindeutige Indizien dafür gesammelt, dass IFC und Weltbank bei der Einschätzung der Machbarkeit des kontroversen Mammutprojekts ihre eigenen Standards weitgehend ignorierten. Mörschel: "Sollte die Weltbank bei ihrer Entscheidung zur Finanzierung der BTC-Pipeline tatsächlich über die möglichen Auswirkungen und ihre eigenen Kriterien hinwegsehen, dürfte das dem Ruf der Weltbank erheblichen Schaden zufügen."

Von der IFC-Entscheidung wird nach Ansicht des WWF eine hohe Signalwirkung an den gesamten Finanzsektor ausgehen, der rund 70 Prozent des 3,5 bis 4 Milliarden US-Dollar teuren Projekts finanzieren soll. Deutsche Institutionen, wie zum Beispiel die Euler- Hermes-Kreditversicherungs-AG oder die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), werden eine Finanzierung des Pipeline-Projekts voraussichtlich ebenfalls von der Zusage der IFC abhängig machen.

Dazu WWF-Experte Frank Mörschel: "Die Trasse führt auf 1760 Kilometern durch extrem Erdbeben gefährdetes Gebiet und zerschneidet wertvolle, international anerkannte Schutzgebiete. Wenn die Weltbank einmal so fahrlässig handelt, öffnet sie auch der Finanzierung anderer unverantwortlicher Projekte durch internationale Kreditanstalten Tür und Tor." Die Entscheidung des Weltbank-Arms IFC war ursprünglich für den vergangenen Freitag vorgesehen, wurde aber aufgrund von Protesten des WWF und anderer Organisationen auf den 4. November verschoben.