IPPNW spricht sich für Verglasung statt Aufarbeitung von Waffenplutonium aus

Gegen Export der Plutonium-Fabrik nach China

Nach Einschätzung der Ärzteorganisation IPPNW ist der Export der Hanauer MOX-Fabrik nach China kein geeigneter Beitrag zum Abbau von Waffenplutonium - wie von Siemens-Chef Heinrich von Pierer behauptet. "Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Herstellung von MOX-Brennelementen bleibt der schnelle Zugriff auf Plutonium zur Herstellung von Atomwaffen erhalten", sagt IPPNW-Atomwaffenexpertin Xanthe Hall. "Die direkte Verglasung ist aus heutiger Sicht die einzige Methode, um Waffenplutonium schnell, billig und auf Dauer zu entsorgen."

Die ausgemusterte Siemens-Fabrik in Hanau dient der Weiterverarbeitung von Plutonium zu so genannten MOX-Brennelementen für Atomkraftwerke. Die IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) lehnt die Weiterführung der Mox-Wirtschaft und den Verkauf der Fabrik nach China aus folgenden Gründen ab:

Erstens wird der Zugriff auf Plutonium zur Herstellung von Atomwaffen bei der Produktion von MOX-Brennelementen noch leichter. Dadurch erhöht sich die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen. China selbst benötigt zwar die MOX-Anlage nicht für den Erwerb von Atomwaffen - es besitzt als offizielle Atomwaffenmacht ca. 400 Atomwaffen und rund vier Tonnen militärisches Plutonium - jegliches Weiterbetreiben der MOX-Wirtschaft unterminiert aber das weltweite Bestreben, die Herstellung von atomwaffenfähigen Materialien zu beenden. Die Plutoniumwirtschaft muss beendet werden!

Zweitens bedarf die MOX-Wirtschaft der Wiederaufarbeitung von Brennelementen und der Trennung von Plutonium. Dieses Verfahren hat Auswirkungen für Gesundheit und Umwelt. Für die Beschäftigten und für die Umwelt birgt die Wiederaufarbeitung eine hohe Strahlenbelastung und Unfallgefahren.

Drittens führt die MOX-Wirtschaft zu einer großen Anzahl von Plutoniumtransporten und erhöht damit die Unfallgefahren und die Strahlenbelastungen für das Transportpersonal. Viertens entstehen bei der Entsorgung vermehrt Probleme, denn es fallen in großen Mengen zusätzliche schwach- und mittelaktive Abfälle an. Die Folge: Die Endlagerkapazität muss erhöht werden.