Proteste gegen Nerzfarm

"Tierquälerei"

Aktivisten der Tierschutzorganisation Vier Pfoten demonstrieren am heutigen Freitag vor der Nerzfarm Melle. Sie fordern von den Behörden die Schließung der Anlage. Der Organisation liegt nach eigenen Angaben Videomaterial mit umfangreichen Aufnahmen aus der Nerzfarm vor, das eine tierquälerische Käfighaltung der Tiere zeigt. Analysen der Abwässer, die vom Farmgelände in einen öffentlichen Bach geleitet werden, wiesen außerdem erhebliche fäkale Verunreinigungen auf. Mit ihrer Demonstration möchte die Organisation auf die Untätigkeit der Behörden hinzuweisen.

"Wie jedes Jahr um diese Zeit sind in den vergangenen Tagen hier in Melle mehrere tausend Tiere getötet worden. Denn im November und Dezember ist Tötungszeit der Pelztiere. Die Tiere, die nicht der weiteren Zucht dienen, werden dann vergast und abgepelzt.? so Anette Nomann, Pelztierexpertin der Vier Pfoten. Vor ihrem Tod hätten die Tiere ein elendiges und entbehrungsreiches Leben in engen Drahtgitterkäfigen geführt. Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten seien minimal. Springen, Rennen und Klettern sei für die an sich sehr bewegungsfreudigen Tiere in den Käfigen unmöglich. Darüber hinaus seien die Käfige verdreckt und die hygienischen Zustände hier in der Farm alarmierend. ?Die ständige Duldung dieser Missstände durch die Behörden ist ein Skandal", sagt Anette Nomann.

Die Hoffnung auf eine baldige Verabschiedung einer tierschutzgerechten nationalen Verordnung zur Pelztierzucht, die einen Schlussstrich unter die hier praktizierte Käfighaltung ziehen würde, sei bei den Aktivisten gesunken. Schon vor drei Jahren hatte der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert, einen entsprechenden Verordnungsentwurf vorzulegen. Dieser Aufforderung sei die Bundesregierung trotz ihrer Versprechungen bisher immer noch nicht nachgekommen, so die Kritik.

"Für uns ist die zögerliche Haltung der Bundesregierung unverständlich und enttäuschend. Aber sie bestätigt uns auch in unseren Bemühungen, endlich die verantwortlichen Behörden vor Ort in die Pflicht zu nehmen. Denn die hier praktizierte Käfighaltung der Pelztiere verstößt in unseren Augen eindeutig gegen das Tierschutzgesetz", betont Anette Nomann die Forderung nach einer Schließung der Anlage. Die Organisation will deshalb heute im Rahmen der Protestaktion Anzeige gegen die Betreiber der Farm erstatten. Eine Anzeige gegen die ehemaligen Besitzer liege der zuständigen Staatsanwaltschaft Osnabrück bereits seit zwei Jahren vor. Darüber hinaus würden der Staatsanwaltschaft das vorliegende Videomaterial, die Ergebnisse der Wasserproben sowie wissenschaftliche Gutachten und Stellungnahmen zur Pelztierhaltung zugeleitet.