Erneut Störfall im Atomkraftwerk Biblis

CDU-Minister kritisiert RWE scharf

Das Atomkraftwerk Biblis in Hessen wird seinen zweifelhaften Ruf als Pannenreaktor nicht los. Nach der Schnellabschaltung von Block B am Wochenende musste die Betreiberfirma RWE Power am Montagabend auch Block A vom Netz nehmen. Die Anlage sei heruntergefahren worden, um ein Leck an einer Messleitung zu reparieren, teilte das hessische Umweltministerium am Dienstag mit. Ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen in den Blöcken A und B gebe es nicht. Block A war bereits im Frühjahr 2003 wegen gravierender Sicherheitsmängel abgeschaltet worden und erst im Januar wieder in Betrieb gegangen. In ungewöhnlich scharfem Ton kritisierte Landesumweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) die Informationspolitik von RWE wegen der Pannen in Block B. Er zitierte den Vorstand des Energieversorgers für Mittwoch in sein Ministerium.

Dietzel betonte, er erwarte nicht nur "glasklare Erklärungen", sondern auch "Konsequenzen" vom Vorstand. Das Bundesumweltministerium verlangte seinerseits von der hessischen Atomaufsicht einen detaillierten Bericht über die Vorfälle und ihre Ursachen.

In dem 28 Jahre alten Block B war es am Sonntag gleich zu zwei meldepflichtigen Vorfällen gekommen. Nach einem witterungsbedingten Schaden an zwei zum Kraftwerk führenden Leitungen hatte sich der Reaktor automatisch abgeschaltet. Zeitgleich fiel eine Turbine aus, die den Eigenbedarf des Kernkraftwerks an Strom sicherstellen soll. Als Folge der Störung war die Notstromverbindung zwischen Block B und Block A für etwa zwei Stunden teilweise unterbrochen. Ein Dieselgenerator musste das Kraftwerk mit Strom versorgen.

Das Landesumweltministerium als Aufsichtsbehörde wurde nach Darstellung Dietzels zunächst nur über den Ausfall der Turbine informiert, der laut RWE in die Meldekategorie "Normal" fällt. Die wichtigere "Eilt"-Meldung über den Ausfall der Notstromverbindung zwischen Block A und B ließ dagegen laut Dietzel auf sich warten.

Obwohl die formalen Fristen eingehalten worden seien und sich das Atomkraftwerk zu keinem Zeitpunkt in einem sicherheitstechnisch unzulässigen Zustand befunden habe, müsse das Zurückhalten einer "Eilt"-Meldung scharf kritisiert werden, sagte Dietzel. Zur Sicherheit von Biblis gehöre unablässig auch ein "konsequent transparentes Meldeverhalten" der Betreiberfirma RWE. Dieses sei jedoch zuletzt nicht gegeben gewesen.