Kiesabbau bedroht Meerestiere

Lebensraum zerstört

Umweltschützer warnen für einer neuen Gefahr für das Leben im Meer: Kiesabbau. Maschinen saugten in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee jährlich über drei Millionen Kubikmeter Sand und Kies vom Meeresboden. Damit würden wertvoller Lebensraum zahlreicher Arten weit über die Abbauflächen hinaus vernichtet werden. Umweltverbände befürchten, dass sich der Meeresgrund von diesem Raubbau nicht mehr erholt und das Ökosystem Meer darunter leidet, da der Kie eine Reinigungswirkung für das Ökosystem hat. "Wollten wir diese Reinigungswirkung mit Maschinen erzielen, müssten wir jährlich 500 Millionen Euro aufwenden.", so Gisbert Jäger vom Umweltschutzverband Hohe Tied.

"Schlimmer aber ist es, wenn Sand und Kies abgebaut werden", so Petra Deimer von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM). "Dann werden beispielsweise auch Sandaale abgesaugt." Diese seien die Nahrungsbasis für Schweinswale, Robben, Seevögel und viele Fischarten. Auch Fischfang und Krabbenfischerei würden darunter zu leiden haben.

Sand und Kies seien begehrte Rohstoffe für den Küstenschutz und die Bauindustrie, zumal leichter erschließbare Festland-Reserven zu Ende gingen, so die Umweltschützer. Die Baumkurren-Fischerei pflüge jährlich im Durchschnitt sieben Mal den gesamten Nordseeboden um und zerstöre dabei die Lebensgemeinschaften am Meeresgrund.

Nun gibt es Streit um neue Abbaugebiete und eine weitere Million Kubikmeter bis zum Jahr 2051 westlich von Sylt. "Noch dazu nicht weit entfernt vom ersten bekannten Schweinswal-Aufzuchtgebiet", so Ralf Sonntag vom InternationalenTierschutz-Fond (IFAW). Durch die Sand- und Kiesentnahme werde der Meeresboden bis zur Tiefe von 2,60 Metern entfernt.

"Dazu wirbelt die Kiesgewinnung sogenannte Trübungsfahnen auf" so der Meeresbiologe Onno Groß von Deepwave. "Die Sauerstoff zehren und abgesetzte Schad- und Giftstoffe erneut mobilisieren." Darüber hinaus laufe der Abbau der Rohstoffe dem Projekt "Natura 2000" zuwider, einem Netz von Schutzgebieten der Europäischen Union.