Europäisches Parlament will mehr Familienplanung und Aufklärung

Weltbevölkerung

Mit großer Mehrheit hat das Europäische Parlament in Straßburg heute den Bericht zur Bevölkerung und Entwicklung angenommen. Nach kontroverser Debatte wurde der Bericht, der auf Initiative der Europaabgeordneten Karin Junker zustande kam, gegen die Stimmen der Europäischen Volkspartei (EVP) verabschiedet. Der Bericht ruft die EU-Mitgliedstaaten und die Beitrittsländer dazu auf, Familienplanung, Sexualerziehung und den Zugang zu Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern stärker zu fördern.

Der Bericht bekräftigt das Recht aller Menschen, frei und in eigener Verantwortung über die Zahl ihrer Kinder und den Zeitpunkt ihrer Elternschaft zu entscheiden. Konservative Kräfte hatten zuvor versucht, das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und die Rechte von Jugendlichen einzuschränken. "Wir sind erleichtert, dass sich das Europäische Parlament hinter die Rechte von Jugendlichen stellt", so die stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Renate Bähr. "Verhütung und Aufklärung sind überlebenswichtige Menschenrechte. Es ist ungeheuerlich, dass man jungen Menschen in Entwicklungsländern vorenthalten will, was für uns im Norden selbstverständlich ist."

Auf der Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo haben 179 Staaten ein Aktionsprogramm zur Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte verabschiedet. 10 Jahre nach Kairo liegen viele seiner Ziele noch in weiter Ferne ? vor allem aufgrund mangelnder Finanzierung. "Auch die Bundesregierung hat ihre Verpflichtungen von Kairo bei weitem nicht erfüllt", so Bähr. "Das Leben von Frauen und Teenagern und ihr Recht auf freie Entscheidung hat anscheinend keine politische Priorität."