Amazonas-Regenwald nimmt weniger CO2 auf

Veränderte Wachstumsrate

Wissenschaftler aus Brasilien und vom Smithsonian Tropical Institute haben Zeichen dafür entdeckt, dass der Amazonas-Regenwald nicht mehr die volle Menge Kohlenstoffdioxid absorbiert wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Darüber hinaus haben die Experten auch Veränderungen im Wachstum und beim Absterben von Bäumen festgestellt, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature. In der 20-jährigen Studie wurden insgesamt 14.000 Bäume in einem Gebiet von mehr als 300 Quadratkilometer markiert und vermessen, um ihre Wachstumsrate zu untersuchen. Diese untersuchten Bäume standen nicht in einer Umgebung, in der menschlich Aktivitäten wie Einschlag oder Brandrodungen vorhanden waren.

"Dass sich die Wachstumsdynamik im Regenwald immer wieder verändert, ist nichts Neues", so Studienleiter William Laurance vom Smithsonian Tropical Institute. Pflanzen brauchen zum Wachsen Kohlenstoffdioxid. Der unberührte Amazonas-Regenwald "verschlingt" auf diese Art große Mengen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid. Allerdings sind die Forscher einem offensichtlich umgekehrten Trend auf die Spur gekommen, denn große schnell wachsende Bäume aus den unteren Schichten des Regenwaldes nehmen auf Kosten kleinerer Gewächse zu, und dies sei auf die steigenden Kohlenstoffdioxid-Werte in der Atmosphäre zurückzuführen. Bäume, die schneller wachsen, nehmen weniger Kohlenstoffdioxid auf.

Mehr Kohlenstoffdioxid führt auch zur Überdüngung der Wälder. Das kann nach Ansicht von Laurance ein Hinweis auf einen fundamentalen Wandel in der gesamten Waldökologie sein. Die Konkurrenz im schneller wachsenden Wald um Licht, Wasser und Nährstoffe aus dem Boden hat sich verschärft. Das wird nach Angaben der Experten auch Auswirkungen auf andere Lebewesen im Regenwald haben. "Tropische Regenwälder sind bekannt für ihre spezialisierten Arten. Wenn sich die Vegetation nur leicht verändert, werden damit auch Tiere, die sich von den Pflanzen ernähren und sie bestäuben, betroffen", so Laurance. Ein Wandel in der Zusammensetzung der Regenwälder könnte dann zu einer Umkehr der CO2-Produktion führen.