Hanauer Atomfabrik geht vorerst nicht nach China

Kein Interesse mehr

Die Hanauer Atomanlage wird vorerst nicht nach China exportiert. Die chinesische Regierung erklärte am Dienstag, sie sei nicht mehr an der Siemens-Anlage interessiert. Die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges IPPNW begrüßten die Entscheidung, warnte aber, dass mit der chinesischen Erklärung nur der Staatsbesuch des chinesischen Ministerpräsident in Deutschland in der kommenden Woche von diesem Konflikt entlastet werden könnte. Die initiative "Hanau selber kaufen" der IPPNW hat unterdessen mehr als eine Million Euro gesammelt, um Siemens die Atomfabrik abzukaufen und dann verschrotten zu lassen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte Anfang Dezember letzten Jahres auf seiner China-Reise verkündet, die Regierung in Peking wolle die Hanauer Anlage kaufen: "Es sieht nicht so aus, als ob es unbedingt etwas gäbe, was dagegen spräche." Das sah nicht nur der grüne Koalitionspartner anders, sondern auch ein breites Bündnis an Atomkraftgegnern, Friedensgruppen und Prominenten. Die IPPNW startete die Initiative "Hanau selber kaufen", die bis zum vergangenen Wochenende Verpflichtungserklärungen von rund 8.000 Menschen über insgesamt mehr als eine Million Euro sammelte, um Siemens die Anlage abkaufen zu können.

IPPNW und Greenpeace forderten die Bundesregierung auf, den Exportantrag abzulehnen. Der Export der Hanauer MOX-Anlage an China oder ein anderes Land versetze die Besitzer in die Lage, große Mengen waffenfähiges Plutonium zu produzieren, sagte Stephan Kolb, Vorsitzender der IPPNW. Experten hatten gewarnt, dass die Anlage modular aufgebaut sei und daher zumindest teilweise direkt für militärische Zwecke eingesetzt werden könne.