Drei Reuters-Mitarbeiter von US-Soldaten misshandelt

Irak

Kurz vor Beginn des ersten Verfahrens im Skandal um die Misshandlungen irakischer Gefangener sind neue Anschuldigungen gegen die US-Armee erhoben worden. Ein Unteroffizier des US-Militärgeheimdienstes sagte am Dienstag dem US- Fernsehsender ABC, das wahre Ausmaß des Skandals werde vertuscht. In die Misshandlung von Gefangenen im Gefängnis Abu Ghraib seien dutzende Soldaten verwickelt gewesen, sagte der Unteroffizier Samuel Provance. Auch drei irakische Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters wurden nach eigenen Angaben von US-Soldaten in Irak misshandelt.

Die Agentur Reuters teilte am Dienstag mit, drei ihrer irakischen Mitarbeiter seien am 2. Januar festgenommen worden, als sie über den Abschuss eines US-Helikopters in der Nähe von Falludscha westlich von Bagdad berichten wollten. Während der dreitägigen Haft in einem Militärlager seien die beiden Reporter und ihr Fahrer sexuell erniedrigt, gedemütigt, bedroht und währenddessen fotografiert worden. Die Agentur habe sich entschlossen an die Öffentlichkeit zu gehen, weil die US-Armee trotz Nachfragen den Vorwürfen nicht nachgehe.

In einem ersten Bericht habe die US-Armee behauptet, die Misshandlungen der Reuters- Mitarbeiter seien nicht nachzuweisen, erklärte Reuters. Auf Nachfrage habe der US- Oberbefehlshaber für die Bodentruppen in Irak, Ricardo Sanchez, diesen Bericht als "gründlich und objektiv" bezeichnet. Reuters habe das Pentagon aufgefordert, die Ermittlungsergebnisse zu überprüfen, habe bislang darauf jedoch keine Antwort bekommen. Dass die Armee einen Abschlussbericht vorlege, "ohne überhaupt mit die mutmaßlichen Opfer befragt zu haben, spricht - zusammen mit anderen Ungenauigkeiten und Ungereimtheiten - Bände darüber, wie ernst die US-Regierung diese Angelenheit nimmt", erklärte Reuters-Chef David Schlesinger in einem Brief an das US-Verteidigungsministerium.

In Bagdad muss sich am Mittwoch als erster von sieben angeklagten Militärpolizisten der Reservist Jeremy Sivits wegen der Affäre vor einem Militärgericht verantworten. "Es wird auf jeden Fall vertuscht", peophezeit Provance dem Fernsehsender ABC. Die Soldaten schwiegen entweder aus eigenem Antrieb oder weil es ihnen so befohlen worden sei. Provance war im September in Abu Ghraib für das Computer-Netzwerk des Militärgeheimdienstes zuständig; zurzeit ist er in Deutschland stationiert. Er habe die Misshandlungen zwar nicht selbst gesehen, doch hätten ihm Verhörspezialisten erzählt, dass sie die Militärpolizei zu einem groben Umgang mit den Gefangenen angewiesen hätten.