Bundeswehr-Grundausbildung soll auf Auslandseinsätze ausgerichtet werden

"Angriffskriege geplant"

Die Ausbildung der Bundeswehrsoldaten soll künftig stärker auf mögliche Auslandseinsätze ausgerichtet werden. Nach Angaben von Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan steht dabei der kurzfristige Einsatz in "friedenserhaltenden" oder "friedenserzwingenden" Missionen im Mittelpunkt. Die Wahrscheinlichkeit eines Verteidigungsfalles sei hingegen "extrem gering" geworden, sagte Schneiderhan am Dienstag auf einer Wehrtagung in Berlin. Die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär kritisierte die Planungen als Schritt in Richtung von Angriffskriegen.

Bewaffnete Missionen wie in Afghanistan oder auf dem Balkan sowie humanitäre Hilfseinsätze wie in Afrika und Asien bestimmen laut Schneiderhan künftig das Einsatzspektrum der deutschen Armee. Dabei sinke die Vorwarnzeit. Die so genannte Gelbphase für solche Einsätze falle weg. Daher müsse die Ausbildung so gestaltet werden, dass die Soldaten bereits nach dem Grundwehrdienst ohne Zusatzausbildung in derartige Einsätze geschickt werden könnten.

Konkret gehe es im Grundwehrdienst um Schieß- und Waffenausbildung, einsatzbezogene Gefechtsausbildung, Errichtung von Kontrollpunkten, Patrouillen, Minenschutz und Sanitätsausbildung. Daneben sollen die Rekruten mit dem Völkerrecht vertraut gemacht werden.

Die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär kritisierte, Schneiderhan plane in Übereinstimmung mit der "europäischen Sicherheitsstrategie" Angriffskriege. "Hierfür braucht der gemeine Soldat nicht extra vorher mit Sitte, Sprache und Gebräuchen des Einsatzlandes vertraut gemacht zu werden", meint Kampagnen-Sprecher Ralf Siemens. "Er soll kämpfen, Kriege gewinnen, Territorien erobern - nicht vermitteln oder "humanitäre" Aufträge erfüllen."