Mission Irak - Wahrheit und Lügen

Hans Blix

Vor über einem Jahr hatte sich US-Präsident George Bush weit aus dem Fenster gehängt: "mission accomplished" - Auftrag erledigt - stand auf dem Banner, vor dem er am 1. Mai 2003 das Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak bekannt gab. Heute wissen wir, dass er - wie auch sein britischer Kollege Tony Blair - auch in der Begründung für den Waffengang zu dick aufgetragen hat. Massenvernichtungswaffen - da müsste mensch schon in den USA oder Großbritannien suchen. Irakische Verbindungen zu Al Quaida - gibt es erst seit die Amerikaner das Land mehr schlecht als recht unter Kontrolle haben. Der völkerrechtswidrige Irak-Krieg wäre vermeidbar gewesen, ohne die restliche Welt in Gefahr zu bringen. Dafür hätte die Kriegs-Allianz nur auf den Chef der Waffeninspektoren der Vereinten Nationen, den ehemaligen schwedischen Außenminister Hans Blix, hören müssen. Doch sie glaubten lieber ihren Geheimdiensten, die, wie Blix in seinem Buch "Mission Irak" den französischen Präsidenten Jacques Chirac zitiert, sich gelegentlich gegenseitig "berauschten".

Persönliche Eindrücke aus den Reihen der mächtigsten Männer der Welt - und mit US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice auch immerhin einer Frau - machen aus Blix' Buch mehr als eine reine Chronik der Ereignisse um das Zweistromland. Auch wenn das saubere Zusammentragen der Daten und Fakten im Nachhinein den enormen Zeitdruck sehr plastisch macht, unter dem die Inspekteure die Schuld oder Unschuld des Irak beweisen sollten.

Blix unterfüttert die mittlerweile wohl herrschende Ansicht, dass die USA und Großbritannien die Welt bewusst über die Massenvernichtungswaffen des Irak belogen haben, mit Unmengen an Hinweisen und Fakten. Wer würde eine Heimwerker-Arbeit aus einem Zweitakt-Motor, Balsaholz und starkem Klebeband als Kampfbomber zum Abwurf biologischer und chemischer Kampfstoffe ansehen? Die Waffeninspektoren von der UNMOVIC jedenfalls ebensowenig wie die US-Luftwaffe. Nichtsdestotrotz musste Blix etwa in der Londoner Times lesen, er habe diese Drohnen bewusst verschwiegen, um nicht zu dem Mann zu werden, der den Krieg auslöst.

Viele Anfeindungen musste Blix ertragen, doch letztlich hat er recht behalten. Es könnte ihm wohl niemand verübeln, wenn er seine Gegner jetzt massiv angreifen würde. Doch das hat Blix nicht nötig. Er beschränkt sich auf die Fakten, wie er es schon im Irak getan hat, und versucht, das Handeln der Akteure zu erklären. Aber dann verlässt er doch seine Rolle als reiner Empfänger von Aufträgen des Sicherheitsrates: Zum Abschluss präsentiert Blix noch einige Vorschläge, wie künftig die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindert oder Völker von Despoten befreit werden könnten. Und fasst zusammen: Der Irak-Krieg 2003 war eben kein Fall eines berechtigten Präventivschlags.

Hans Blix: Mission Irak - Wahrheit und Lügen, 340 Seiten, Droemer, 19,90 Euro.