Brief an Nato-Staaten kritisiert Sicherheitslage in Afghanistan

"Unkalkulierbar"

In einem gemeinsamen Brief an die Staats- und Regierungschefs aller NATO-Staaten haben 54 Nicht-Regierungsorganisationen das atlantische Bündnis aufgefordert, entschlossener gegen die immer schlechtere Sicherheitslage in Afghanistan vorzugehen. In den vergangenen Wochen seien mehr als ein Dutzend Zivilisten getötet worden, die sich für den Wiederaufbau am Hindukusch engagiert hätten, so die Organisationen. Versuche zur Entwaffnung der Milizen kämen nicht voran, während gleichzeitig der Drogenhandel floriere.

Wenn die NATO einen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit in Afghanistan leisten wolle, so die Unterzeichner des Briefes, müssten ihre Mitgliedsstaaten auf der Konferenz konkrete Verpflichtungen im Kampf gegen Drogenproduzenten, Menschenrechtsverletzer, Warlords und ihre Privatmilizen eingehen. Wenn die NATO diese Gelegenheit in Istanbul ungenutzt verstreichen lasse, werde sich Afghanistans Sicherheitslage weiter verschlechtern.

"Die unkalkulierbare Sicherheitslage in weiten Teilen des Landes erschwert in zunehmendem Maße den Zugang zu humanitärer Hilfe." so Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von Care Deutschland. Der Istanbuler NATO-Gipfel am 28. und 29. Juni, so das gemeinsame Schreiben, biete den Bündnispartnern eine letzte Chance, ihr Versprechen zu halten, den Sicherheitsbedrohungen in Afghanistan wirksam zu begegnen. Seit zwei Jahren in Afghanistan, konzentriere sich die von der NATO geführte internationale Schutztruppe ISAF nach wie vor auf die Hauptstadt Kabul. Obwohl die Soldaten ihren Einsatz Ende 2003 auf das relativ stabile Gebiet um Kunduz in Nord-Afghanistan ausgeweitet hätten, bleibe der Rest des Landes Willkür und Gewalt schutzlos ausgesetzt.

"Das wahrscheinlichste Modell einer NATO-Expansion wird die Ausweitung der bestehenden regionalen Wiederaufbauteams sein. Aber diese 'Provincial Reconstruction Teams' haben weder das Mandat noch die Mittel, die Sicherheitsbedrohungen in ihren Operationsgebieten einzudämmen.", so Roßbach.