Urteil vom Landgericht Köln verbietet Proteste gegen Gen-Futter bei Müllermilch

Almauftrieb in Köln

Greenpeace-Aktivisten haben am Mittwoch 20 lebensgroße Kühe in der Kölner Altstadt aufgestellt. Über Lautsprecher wird das "Mega-Muh" gegen Gen-Pflanzen im Tierfutter abgespielt. Das "Mega-Muh" setzt sich aus den Stimmen von über 6000 Menschen zusammen. Seit Mai haben Verbraucher bei der bundesweiten Mitmachaktion "Muhen gegen Müller" ihre Stimme gegen Gen-Pflanzen in Tierfutter abgegeben. Der Grund für die aktuelle Aktion: Die Unternehmensgruppe Theo Müller GmbH konnte vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen die Greenpeace-Aufklärungsarbeit zu Gen-Futter bei Müllermilch durchsetzen.

Danach darf Greenpeace darf der Molkerei Müller aus Aretsried nicht länger die Verwendung von Gentechnik in ihren Milchprodukten unterstellen. In einer von dem Unternehmen erwirkten einstweiligen Verfügung untersagte das Kölner Landgericht am Mittwoch Greenpeace insbesondere die Verwendung des Begriffs "Gen-Milch" sowie die Behauptung "Gen-Milch Skandal bei der Müller-Partei?".

Nach Ansicht der 28. Zivilkammer behaupte Greenpeace, dass Milch, die von Kühen stamme, die gentechnisch verändertes Futter gefressen hätten, eine andere Zusammensetzung aufweise als andere Milch. Die Unternehmensgruppe Müller habe aber durch die Vorlage zweier wissenschaftlich begründeter Stellungnahmen, die von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft stammen, glaubhaft gemacht, "dass nach unumstrittener wissenschaftlicher Erkenntnis der Einsatz gentechnisch manipulierter Futtermittel nicht zu Veränderungen der Milch führt".

"Solange die Milchkühe bei Müller weiterhin Gen-Futter bekommen, wird Greenpeace die Verbraucher auch darüber informieren. Daran wird auch das heutige Urteil nichts ändern", sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin bei Greenpeace. "Die große Mehrheit der Verbraucher will nicht, dass Gen-Pflanzen zur Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden. Dies beinhaltet auch den Einsatz im Tierfutter. Müller sollte sich nach den Wünschen der Verbraucher richten und auf Gen-Futter verzichten", so Brendel. Die Müller GmbH bestreitet übrigens nicht, dass Gen-Futter von ihren Milchbauern eingesetzt wird.

Greenpeace legte dem Gericht eine Untersuchung des Forschungszentrums für Milch und Lebensmittel in Weihenstephan/Bayern vorlegen. Daraus geht hervor, dass gentechnische Verunreinigungen sehr wohl in die Milch geraten können, wenn auch abschließende Untersuchungen dazu noch fehlen. "Verbrauchern dürfte es egal sein, ob die Genschnipsel über die Luft oder über den Magen der Kuh in die Milch gelangen. Gen-Pflanzen haben bei der Herstellung von Lebensmitteln nichts zu suchen. Weder im Futtertrog noch als Zutat", sagt Brendel.

Bei der Fütterung von Milchkühen könne ohne Probleme auf Gen-Pflanzen verzichtet werden. Auf dem deutschen Markt dei ausreichend gentechnikfreies Futtermittel vorhanden. Eine Liste der Anbieter finde sich zum Beispiel im Internet. Einige Molkereien garantierten bereits eine Milchproduktion ohne Gen-Futter. Zahlreiche Molkereien wie zum Beispiel Ehrmann haben mittlerweile zugesagt, konkrete Schritte zu unternehmen, um auf eine gentechnikfreie Fütterung der Milchkühe umzustellen.