Erneuerbare Energien müssen den Armen und dem Klimaschutz dienen

Evangelische Kirchen

Anläßlich der Konferenz für Erneuerbare Energien fand am 3. Juni ab 10 Uhr eine "fröhliche Strandnahme für Erneuerbare Energien, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung" statt. Direkt am Rheinufer in Bonn am Restaurant Rheinpavillon (Rathenauufer) schlugen die Bewohner der Fiji- und Kiribati-Inseln Alarm. Denn ihre Inseln sind massiv vom Untergang durch die Folgen des Klimawandels bedroht. Bei der Strandnahme am Rheinufer wird auch mit praktischen Beispielen gezeigt, was jeder Einzelne für den Klimaschutz tun kann.

Die Vertreter der Pazifikstaaten, die vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) und anderen kirchlichen Organisationen eingeladen wurden, fordern schon lange ein Umdenken der Bevölkerung in den Industrieländern. "Hört auf die Stimmen der Betroffenen und praktiziert eine ressourcenarme Lebens- und Arbeitsweise", so Bureieta Karaiti, der Generalsekretär der Evangelischen Kirche auf den Kiribati-Inseln. Der steigende Meeresspiegel gefährdet die Existenzgrundlage der Bewohner der Pazifikinseln. Bureieta Karaiti möchte im Gespräch mit Bärbel Höhn auf die Gefahren des Untergangs der Inseln samt ihrer Kultur hinweisen, die Öffentlichkeit aufrütteln und zu mehr Entschlossenheit in der Klimapolitik bewegen.

Dafür sind einschneidende Maßnahmen erforderlich, um den weiteren prognostizierten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zu verhindern. "Bei dem langen Bremsweg des Klimawandels ist eine schnelle und starke Reduktion des Treibhausgases CO2 um bis zu 80 Prozent in den Industrieländern dringend erforderlich. Dies ist aber nur durch den vermehrten Einsatz von klimaneutralen Erneuerbaren Energien in Nord und Süd möglich", so Bernhard Walter, zuständig für Erneuerbare Energien beim Evangelischen Entwicklungsdienst.

Dabei müsse beachtet werden, dass die Technologien im Bereich der Erneuerbaren Energien auch durch die Armen in den Entwicklungsländern genutzt werden. "Die langjährigen Erfahrungen der kirchlichen Projektarbeit zeigen, dass dafür wichtige Faktoren erfüllt sein müssen: Wirtschaftlichkeit, der Einsatz von Erneuerbaren Energien in Kleinunternehmen, möglichst in Frauenhand, günstige politische Rahmenbedingungen, Wissenstransfer und solide Ausbildung, sowie Unabhängigkeit von externen Finanzquellen", so Walter.

Wilfried Steen, Vorstand des Evangelischen Entwicklungsdienstes und Konferenzdelegierter betonte, dass durch die aktuell steigenden Ölpreise die Erneuerbaren Energien immer wichtiger für den Klimaschutz werden. Er warnt jedoch: "Beim Gang durch das Konferenzgelände entsteht der Eindruck, man befinde sich auf einer riesigen Verkaufsmesse. Dies trifft sicherlich für die Industrieländer zu, wo die Investitionskraft da ist. Um aber Erneuerbare Energien im Sinne der Armutsbekämpfung in den Entwicklungsländern und des Klimaschutzes zu nutzen, müssen sie in das kulturelle und wirtschaftliche Umfeld der Armutsbevölkerung passen. Es besteht keine Garantie, dass Technologien, die in Industrieländern erfolgreich sind, auch in Entwicklungsländern funktionieren, wenn das Geld fehlt oder die Technik nicht zu den Menschen passt. Und: Es ist ein langfristiger Planungshorizont notwendig."

Deshalb müsse der Schwung, der zur Zeit für die Erneuerbare Energien besteht, durch ein langfristiges finanzielles und personelles Engagement der Bundesregierung, der Industrie und der Entwicklungsorganisationen gesichert werden. "Die Konferenz darf aus Sicht der Armen in den Entwicklungsländern kein Strohfeuer bleiben", so Steen.

Der EED ist ein Entwicklungswerk der evangelischen Kirchen in Deutschland. In über 80 Ländern der Welt fördert der EED Entwicklungsprogramme, die sich für den Aufbau gerechter Gesellschaften einsetzen. Partner des EED sind Kirchen, ökumenische Organisationen und Nichtregierungsorganisationen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa.