Neuer Umgang mit Kinderarbeit zur Armutsbekämpfung gefordert

Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Tages gegen Kinderarbeit am 12. Juni fordert das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit Politik und Medien zu einem neuen Umgang mit der Situation arbeitender Kinder und Jugendlicher auf: "Es ist sehr verständlich, wenn sich Medien und Politik auf die allerschlimmsten Formen von Kinderarbeit konzentrieren. Und in der Tat ist es auch vordringlich, Verbrechen wie die Versklavung von Kindern mit Entschiedenheit zu bekämpfen. Dennoch muss stärker als bisher berücksichtigt werden, dass die allermeisten arbeitenden Kinder und Jugendlichen nicht versklavt sind", so Klaus Heidel, Sprecher des Forums.

Daher fordere das Forum einen neuen Umgang mit Kinderarbeit, der sich durch vier Elemente auszeichnen müsse: "Erstens müssen Politik und Medien ausreichend differenzieren, wenn es um Kinderarbeit geht. So reicht es zum Beispiel nicht aus, sich auf Kinderarbeit in Exportindustrien zu konzentrieren. Denn rund 95 Prozent aller arbeitenden Kinder schuften für heimische Märkte. Zweitens ist zu berücksichtigen, dass Kinderarbeit nicht einfach ‚abgeschafft’ werden kann. Vielmehr muss es das Ziel sein, die Rechte des Kindes zu verwirklichen. Dies geht nur, wenn Armut nachhaltig und umfassend bekämpft wird.

Armutsbekämpfung zur Durchsetzung von Kinderrechten erfordert drittens, dass die Globalisierung so gestaltet wird, dass sie nicht länger zu Lasten von Kindern und Jugendlichen geht. Viertens ist es höchste Zeit, arbeitende Kinder und Jugendliche und ihre Organisationen an allen Maßnahmen zu beteiligen, die sich auf sie beziehen", so Heidel weiter.

Fünf Jahre nach Verabschiedung des ILO-Übereinkommens 182 über schlimmste Formen von Kinderarbeit beklagt das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit, dass dieses Übereinkommen zwar auf den Zusammenhang von Kinderarbeit und Armut hinweist, bisher aber kaum konkrete Konsequenzen aus dieser Einsicht gezogen worden seien: "Armut ist eine Ursache von Kinderarbeit, und Kinderarbeit kann Armut verfestigen", so Barbara Dünnweller von der Kindernothilfe. "Deshalb ist es ein Skandal, dass ganz viele Strategien zur Armutsbekämpfung nicht auf die Situation arbeitender Kinder und Jugendlicher eingehen. Dies gilt nicht zuletzt für die Politik von IWF und Weltbank."

Scharf kritisiert das NRO-Forum, dass der Etat des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung immer weniger Geld für die eigentliche Armutsbekämpfung in den ärmsten Ländern vorsehe: "Armutsbekämpfung im Interesse von Kindern und Jugendlichen ist nicht zum Nulltarif zu haben", meint Dr. Andreas Selmeci von Brot für die Welt: "Wer die Situation arbeitender Kinder verbessern will, muss in schulische Bildung investieren, die berufliche Ausbildung fördern und sichere Arbeitsplätze für junge Menschen schaffen. Das kostet Geld, das die betroffenen Länder nicht haben. Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft sind kein ausreichendes Instrument, um Armut in den ärmsten Ländern nachhaltig zu bekämpfen."

Armutsbekämpfung heißt aber auch, die Weltwirtschaft so zu gestalten, dass sie nicht zu Lasten der Kinder und Jugendlichen geht: "Viele der ärmsten Länder haben auf Druck von IWF und Weltbank radikale Liberalisierungen durchgeführt, mit oft katastrophalen Folgen für Kinder und Jugendliche. Das Ausmaß von Kinderarbeit wuchs, und die Arbeitsbedingungen von Kindern verschlechterten sich", so Barbara Küppers von terre des hommes. "Es ist höchste Zeit, dass alle Maßnahmen von IWF, Weltbank und WTO auf ihre Folgen für Kinder und Jugendliche überprüft werden."

Weltweit verrichten rund 171 Millionen Kinder und Jugendliche gefährliche Arbeiten, die die Gesundheit und Entwicklung schädigen. Fast 8,5 Millionen Kinder werden als Sklaven missbraucht, in die Prostitution gezwungen oder als Soldaten zwangsrekrutiert. Weitere 67 Millionen Kinder arbeiten länger, als nach internationalen Bestimmungen erlaubt. Das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit wird unter anderem getragen von Brot für die Welt, DGB-Bildungswerk, Kindernothilfe, terre des hommes Deutschland und Werkstatt Ökonomie.