Shell will Ölförderung auf Kosten der letzten Westpazifischen Grauwale ausbauen

Internationale Walfang-Konferenz in Italien

Der Bau einer weiteren Öl-Bohrinsel und einer Pipeline im Ochotskischen Meer vor der russischen Insel Sachalin könnte die letzten hundert Westpazifischen Grauwale gefährden. Das unter Federführung der niederländischen Shell AG angelaufene Zwölf-Milliarden-Dollar-Projekt der "Investment Company Sakhalin Energy" berührt unmittelbar die Nahrungsgründe dieser vom Aussterben bedrohten Grauwal-Unterart. "Lärm und Ölverschmutzung gefährden die grauen Riesen. Wir fordern Shell auf, die Bauvorhaben vorerst zu stoppen und nach einer Lösung zu suchen, die jegliche Gefahr für die Grauwale ausschließt", erklärt Volker Homes, Wal-Experte des WWF Deutschland. Die Naturschutzorganisation appelliert an die ab dem 19. Juli in italienischen Sorrento tagende Internationale Walfang Kommission (IWC), sich für den Schutz der Grauwale einzusetzen.

Seit 1998 werden die reichhaltigen Öl- und Gasvorkommen vor Sachalin ausgebeutet. Vor allem die enorme Lärmbelastung durch Ölbohrungen und Sprengungen für den Bau neuer Anlagen macht den Grauwalen zu schaffen. Die Tiere, die sich per Schallwellen orientieren und kommunizieren, reagieren sensibel auf Lärm. Forscherteams registrieren seit 1999 vermehrt abgemagerte Tiere, und auch ihre Fortpflanzung leidet unter den Störungen.

Unter den schätzungsweise hundert Westpazifischen Grauwalen leben nur noch etwa zwanzig fortpflanzungsfähige Weibchen. "Der Westpazfische Grauwal ist der am stärksten bedrohte Bestand einer Großwalart", so Homes. Der WWF fordert deshalb die Einrichtung eines Schutzgebietes rund um die Piltun Bucht im Norden der Insel Sachalin. Hier halten sich die bis zu 35 Tonnen schweren und 14 Meter langen Grauwale in den Sommermonaten auf. In der Piltun-Bucht leben auch Schweinswale, Nördliche Minkwale, große Ringelrobben, Largha-Seehunde und Bartrobben.

Eindringlich warnt der WWF vor einer Ölkatastrophe. Die Region ist stark Erdbeben gefährdet. Die bestehenden und geplanten Bohrinseln und Pipelines sind nach Meinung der weltweiten Naturschutzorganisation nicht hinreichend auf ihre Erdbebensicherheit getestet. "Hier ticken tödliche Zeitbomben. Mit dieser Fahrlässigkeit wird eine mögliche Katastrophe für Mensch und Natur billigend in Kauf genommen", so Homes. Der WWF drängt darauf, die Ölindustrie zum Einlenken zu bewegen. In den nächsten Jahren sollen die reichhaltigen Öl- und Gasvorkommen noch intensiver ausgebeutet werden. "Neue Bohrinseln, Pipelines und Verladestationen dürfen erst dann gebaut werden, wenn der Schutz der Westpazifischen Grauwale und der Artenvielfalt der Region gesichert und ein Schutzgebiet eingerichtet ist", unterstreicht Homes.