Bahn-Provisionskürzung für Reisebüros macht Behinderte zu Schwarzfahrern

Behinderten-Verband

Die geplante Kürzung der Provisionen für den Verkauf von Bahn-Fahrkarten wird auch vom Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) kritisiert. Die Bahn habe ohnehin bereits viele Reisezentren geschlossen, und die als Ersatz aufgestellten Fahrkarten-Automaten seien für Behinderte nicht geeignet. Die Bahn müsse sicherstellen, dass Behinderte nicht zum Schwarzfahren gezwungen würden, weil sie keine Möglichkeit haben, einen Fahrschein zu kaufen.

Die Deutsche Bahn AG hat zum Jahresende bundesweit sämtliche Verträge mit Reisebüros und Bahnagenturen gekündigt, um mit neuen Verträgen eine drastische Senkung der Provisionen durchzusetzen. "Diese Kahlschlagspolitik der Bahn bedroht die Mobilität der Menschen mit Behinderung und schränkt ihre Lebensqualität weiter ein, denn Auskunft und Fahrkartenverkauf in Reisebüros stellen für uns eine wichtige und nötige Hilfe dar", sagte Peter Gramatzky, Bundesvorsitzender des BSK. Die Fahrkartenautomaten, die als Ersatz für die Schließung der Reisezentren aufgestellt wurden, seien für Rollstuhlfahrer nicht nutzbar. Die Tastatur sei zu hoch angebracht, und außerdem seien sie nicht unterfahrbar.

"Die Bahn setzt mit dieser Vorgehensweise ihre Konsolidierungspolitik zu Lasten der Reisenden mit Behinderung fort", kritisierte Gramatzky. "Dieses Geschäftsgebaren ist unsozial." Gramatzky forderte die Bahn auf, rechtzeitig noch vor dem Jahresende Regelungen zu treffen, die sicherstellen, dass Reisende mit Behinderung auch künftig zu zumutbaren Bedingungen Fahrkarten kaufen können und nicht auch noch gezwungen seien, schwarz zu fahren.