"Schein-Prozess" wegen Tod von Journalistin endet mit Freispruch

Iran

Der wegen des Todes der iranisch-kanadischen Journalistin Zarah Kazemi angeklagte iranische Geheimdienstmitarbeiter Reza Aghdam Ahmadi ist am Samstag mangels Beweisen freigesprochen worden. Reporter ohne Grenzen kritisierte den Prozess als "Farce" und "Schein-Prozess". Die wirklich für den Tod von Kazemi Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Diese aber seien weiterhin auf freiem Fuß.

Die Anwältin von Kazemis Familie, Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, will Berufung einlegen. Kazemis Sohn Stephan Hachemi hat die kanadische Regierung aufgefordert, das iranische Regime für Kazemis Tod vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anzuklagen. Aus Hazemis Sicht dient das jetzige Urteil lediglich dazu, die wahren Schuldigen zu decken. Denn Hinweise, nach denen Kazemi durch Misshandlungen von Mitarbeitern des Teheraner Staatsanwaltes Said Mortazevi starb, seien nicht weiter verfolgt worden. Mortazevi selbst soll an den Verhören beteiligt gewesen sein.

Der Prozess war am 18. Juli nach nur zwei Tagen überraschend für beendet erklärt worden. Weder die Anwälte von Kazemi noch der Angeklagte kamen dabei ausreichend zu Wort. Kanadische Diplomaten waren entgegen aller Zusagen vom zweiten Verhandlungstag ausgeschlossen. Kanada berief daraufhin seinen Botschafter aus dem Iran, Philip MacKinnon, ab.

Die 54-jährige Zarah Kazemi war am 23. Juni 2003 vor dem Evin-Gefängnis, nördlich von Teheran, verhaftet worden. Sie hatte dort Familien von Häftlingen fotografiert. Während ihrer Haft wurde sie geschlagen und starb am 10. Juli 2003 an den Folgen. Die iranischen Behörden hatten zunächst versucht, die Todesumstände von Kazemi zu verschleiern.