DRK-Präsident hält Asyl-Lager in Afrika für denkbar

"Migration steuern und begrenzen"

Der Präsident des Deutschen Rotes Kreuzes und frühere Bundesinnenminister unter Helmut Kohl, Rudolf Seiters, hält die von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) ins Gespräch gebrachten Auffanglager für Asylsuchende in Nordafrika grundsätzlich für denkbar. Es sei falsch, angesichts der unermesslichen Not in der Welt solche Überlegungen schnell und pauschal abzulehnen, sagte Seiters am Dienstag im DeutschlandRadio Berlin. Wenn sich europäische und afrikanische Staaten einigen könnten und der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zustimmen würde, "dann wäre der Vorschlag einer vorläufigen menschenwürdigen Unterbringung in der heimischen Region durchaus akzeptabel".

Man müsse zwischen politisch Verfolgten und Armutsflüchtlingen unterscheiden, sagte Seiters weiter. Das Grundrecht auf Asyl für politisch oder religiös Verfolgte müsse uneingeschränkt gelten. Wo die Prüfung eines Asylantrags erfolge, sei dabei "vielleicht gar nicht so wichtig". Armutsflüchtlingen müsse dagegen vorrangig vor Ort geholfen werden. "Die reichen europäischen Länder sind ganz sicher in der Pflicht, ihre Entwicklungshilfe zu verstärken", betonte der DRK-Präsident. Dass es bei der Unterscheidung beider Gruppen von Flüchtlingen eine Lösung geben könne, habe Deutschland mit dem Asylkompromiss von 1993 gezeigt.

Seiters räumte jedoch ein, dass eine Lösung dieser Frage auf europäischer Ebene sehr viel schwieriger sei. Die europäische Antwort könne nicht lauten, "dass diese Flüchtlinge automatisch in einem EU-Land aufgenommen werden. Das wäre geradezu eine Einladung an viele, sich immer wieder in Gefahr zu bringen oder sich Schleuserbanden anzuvertrauen", sagte er. Er stimme deshalb Schily zu, dass Migration auch aus Afrika gesteuert und begrenzt werden müsse.