"Hartz IV reißt Familien auseinander"

Arbeiterwohlfahrt

Die "Hartz IV"-Reform wird nach Angaben der Arbeiterwohlfahrt (AWO) auch dazu führen, dass Familien auseinander gerissen werden. Immer häufiger äußerten Eltern die Absicht, erwachsene arbeitslose Kinder aus dem Haus zu schicken, damit sie Arbeitslosengeld II erhalten und nicht allein vom Geld der Eltern leben müssen, sagte AWO-Bundesausschussmitglied Paul Saatkamp der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das Elterneinkommen werde nämlich bei Haushaltsgemeinschaften berücksichtigt. "Das sind zynische Folgen einer sowieso grausamen Reform", kritisierte Saatkamp, der bis vor kurzem Sprecher der Nationalen Armutskonferenz war.

Langzeitarbeitslose versuchten zudem, "mit allen Mitteln" ihr Vermögen und das ihrer Familienmitglieder und Lebenspartner vor dem Zugriff der Arbeitsagenturen zu retten. Bankkonten würden leer geräumt, um das Geld der Kontrolle zu entziehen. Man könne es den Langzeitarbeitslosen nicht verübeln, dass sie das Geld beiseite schafften, betonte Saatkamp.

Vom Motto "Fördern und Fordern" sei allein "Kürzen und Fordern" übrig geblieben. Ebenso wie die Gewerkschaft der Polizei erwarte er Handgreiflichkeiten und Gewalt vor und in den Arbeitsagenturen, weil es zwar Kürzungen, aber keine Aussicht auf neue Jobs gebe. "All das läuft früher oder später auf eine neue außerparlamentarische Opposition heraus, die sich auch nicht scheuen wird, Konflikte auf der Straße auszutragen", warnte Saatkamp.