Iranische Justizbehörden erklären Kazemis Tod für Unfall

Forderung nach Berufungsverfahren

Die iranischen Justizbehörden erklärten am Mittwoch, dass der Tod der iranisch-kanadischen Journalistin Zarah Kazemi ein Unfall gewesen sein könnte. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen. Die Organisation geht davon aus, dass der vor einer Woche freigesprochene Geheimdienstmitarbeiter Mohammad Ahmadi nur ein "Sündenbock" gewesen sei. Die wahren Schuldigen seien vielmehr in Kreisen des Staatsanwaltes Said Mortazevi zu suchen. Daher dürfe der Freispruch Ahmadis nun keinesfalls den Schluss zu lassen, dass Kazemis Tod ein Unfall war.

Vielmehr fordert Reporter ohne Grenzen - ebenso wie die Anwälte von Kazemis Familie - von Irans Oberstem Richter Ayatollah Shahrudi, für das Berufungsverfahren einen neuen, von der Staatsanwaltschaft unabhängigen Richter zu benennen. Dieser solle die Fakten erneut prüfen und den Fall rekonstruieren.

Für die Verhandlungen am vergangenen Wochenende hatten die Anwälte von Kazemis Familie die Zeugenaussage von Mohammad Bakshi und fünf weiteren hochrangigen Justizbeamten gefordert. Diese hatten Kazemi im Juni 2003 im Teheraner Evin Gefängnis, das Chef-Staatsanwalt Mortazavi untersteht, verhört. Während der Verhöre sei Kazemi geschlagen worden; am 10. Juli starb sie an den Folgen. Das Gericht lehnte den Antrag auf Aussage der Mortazavi-Mitarbeiter ab und beendete das Verfahren nach nur zwei Tagen mit dem Freispruch Ahmadis.