Tötung einer Journalistin scheint ungestraft zu bleiben

Iran

Die Tötung der iranisch-kanadischen Fotojournalistin Zahra Kazemi vor einem Jahr scheint nicht bestraft zu werden. Reporter ohne Grenzen vermutet, dass hochrangige iranische Beamte in den Tod verwickelt seien. Verhört wurde Kazemi von der Teheraner Staatsanwaltschaft, der Polizei und dem Geheimdienst. Eine Untersuchungskommission hatte zunächst den Chef-Staatsanwalt Said Mortazavi für Kazemis Tod verantwortlich gemacht, später dann den Geheimdienst-Agenten Mohammad Ahmadi. Die Menschenrechtsorganisation befürchtet, dass diese aber nicht verurteilt würden. Es sähe vielmehr so aus, als müsse nun irgendein „Sündenbock“ herhalten, so Reporter ohne Grenzen. Kazemi starb am 10. Juli 2003 in einem Teheraner Militärkrankenhaus an den Folgen der Schläge, die sie in den Tagen zuvor im Gefängnis erlitten hatte.

Die am 17. Juli angesetzte Verhandlung soll nun die Todesumstände von Kazemi vollständig aufklären. Die kanadische Reporter ohne Grenzen-Sektion will den Prozess beobachten; derzeit wartet sie allerdings noch auf ein Visum für den Iran.

Reporter ohne Grenzen fordert die iranischen Behörden auf, Kazemis Anwälte zu den Prozess-Vorbereitungen zuzulassen - so wie es die iranische Verfassung und die Internationalen Standards vorsehen. Außerdem verlangt Reporter ohne Grenzen zum wiederholten Male, dass die sterblichen Überreste von Kazemi nach Kanada überführt werden dürfen. Ihr Sohn möchte dort eine unabhängige Autopsie veranlassen.

Die 54-jährige in Kanada lebende Kazemi wurde am 23. Juni 2003 vor dem Evin-Gefängnis nördlich von Teheran festgenommen. Sie fotografierte dort Angehörige von Gefangenen. Während ihrer Haft wurde sie geschlagen und erlag zwei Wochen später den Verletzungen. Die iranischen Behörden hatten zunächst versucht, die Todesursache von Zahra Kazemi zu verschleiern. Am 16. Juli 2003 gestanden sie ein, dass Kazemi geschlagen wurde.