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Die Kultusminister sollen an der Rechtschreibung festhalten

Rechtschreibreform

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert die Kultusministerkonferenz auf, an der Rechtschreibreform festzuhalten und sich nicht von den Alleingängen verschiedener Verlage unter Druck setzen zu lassen. "Es ist unverantwortlich, wir hier auf Kosten von Kindern, Eltern und Schulen Stimmung gemacht wird, um das Sommerloch zu füllen und die eigene Macht zu demonstrieren", so Marianne Demmer, die Schulexpertin im Geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Die Hartnäckigkeit, mit der das Thema hochgespielt werde, sei nicht nachzuvollziehen. Dass die ältere Generation nicht gerne umlerne, sei zwar verständlich, aber in einer Zeit, da von jedem und jeder die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen gefragt sei, wohl nicht mehr zeitgemäß. Schließlich zeige die Erfahrung in den Schulen, dass die Kindern nach den neuen Regeln weniger Fehler machten, denn die alte Rechtschreibung sei ja

nun "alles andere als logisch" gewesen. "Hier ist die Solidarität der Älteren mit den Jüngeren gefragt", so Demmer. Gerade in PISA-Zeiten müsse Einvernehmen darüber bestehen, dass die Schulen die knappe Lernzeit sehr effizient verwenden. Demmer: "Die Schulen haben wichtigere Probleme zu lösen, als den Zirkus um die Rechtschreibreform nachzuvollziehen".

Im deutschsprachigen Ausland werde das deutsche Hin und Her nur noch mit Kopfschütteln betrachtet. Dort denke niemand daran, bestehende Vereinbarungen zur Wahrung der Einheitlichkeit der deutschen Sprache in Frage zu stellen. Eine Rückkehr zur alten Schreibweise hätte nach Ansicht der GEW für Schüler, Lehrer und Eltern gravierende Auswirkungen: gerade für die Jahrgänge, die schon komplett nach der neuen Rechtschreibung unterrichtet wurden, wäre eine Rückkehr zur alten Schreibweise eine ziemliche Katastrophe; die Verunsicherung wäre komplett.

Gravierend seien aber auch die finanziellen Auswirkungen auf Schulbudgets und den Geldbeutel der Eltern. Darauf machte die GEW-Expertin die Ministerpräsidenten aufmerksam, die das Thema Anfang November auf die Tagesordnung setzen wollen. Schätzungen gehen davon aus, dass in den Schulen Bücher im Wert von rund 1,4 Milliarden Euro bei einem Rückkehrbeschluss zur alten Rechtschreibung zumindest stark entwertet, wenn nicht - wie in der Grundschule und den rechtschreibsensiblen Fächern - völlig wertlos würden.

In Niedersachsen und im Saarland würden dies allein die Eltern bezahlen müssen, da es dort keine Lehrmittelfreiheit gibt. In den anderen Bundesländern müssten die Lehrmitteletats der Länder und Kommunen entweder drastisch angehoben oder der Elternanteil weiter erhöht werden. Der VDS Bildungsmedien beziffert die privaten Ausgaben der Eltern für Lehrmittel bundesweit für 2003 auf ca. 200 Millionen Euro. Auch diese Bücher würden durch einen Rückkehrbeschluss sofort entwertet und ließen sich dann nicht mehr an Geschwister weitergeben oder auf Schulbuchbörsen verkaufen.

Auch der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, fordert die Kultusministerkonferenz (KMK) auf, wieder Herr des Verfahrens bei der Rechtschreibreform zu werden. Anfang Juni hatte die KMK einstimmig entschieden, den Übergangszeitraum für die Rechtschreibreform zum 01.August 2005 enden zu lassen und damit die Rechtschreibreform für verbindlich zu erklären. Dass nun einzelne Ministerpräsidenten den Beschluss ihrer eigenen Kulturminister widerrufen, ist ein bedenkliches Zeichen und eine deutliche Schwächung der KMK.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte am Montag in Berlin: "Die Auseinandersetzung um die Rechtschreibreform nimmt immer skurrilere Formen an. Es ist schon interessant zu sehen, dass sich gerade die Bild-Zeitung als Institution zur Rettung der Schreibkultur in Deutschland aufspielt. Ob sich da nicht der Bock zum Gärtner gemacht hat?"