Zehntausende Jugendliche weiter ohne Lehrstelle

10.000 mehr als 2003

Auf dem Lehrstellenmarkt ist noch keine Entspannung in Sicht. Ende September werde die Lücke bis zu 30.000 Ausbildungsplätze betragen, sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) am Dienstag in Berlin. Im vergangenen Jahr seien es zu dem Zeitpunkt rechnerisch rund 20.000 Jugendliche ohne Lehrstelle gewesen, bei allerdings 20.000 weniger Bewerbern. Clement und die Arbeitgeber vertraten deshalb die Ansicht, der Pakt greife. Ver.di-Vize Frank Werneke zog hingegen ein negatives Fazit.

Clement ist zuversichtlich, über die Nachvermittlungsbörse und die Einstiegsqualifikationen jedem ausbildungswilligen Jugendlichen bis Jahresende einen Ausbildungsplatz oder eine Weiterbildung anbieten zu können. Dies sei das "verbindliche Ziel". Hierfür seien bis Ende August 10.000 Plätze für die Einstiegsqualifikationen eingeworben worden, die über Praktika in eine volle Ausbildung münden sollen. Der Minister rief die Jugendlichen auf, die Nachvermittlungsbörsen zu nutzen. Wenn nur 60 Prozent den Einladungen folgten, sei dies "nicht nur positiv zu werten".

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, sagte, obwohl im Handwerk durch Aufgabe von Firmen zwischen 10.000 und 15.000 Ausbildungsplätze weggefallen seien, habe man bei der Zahl der Ausbildungsplätze unter dem Strich dennoch um 2,4 Prozent "draufgesattelt". Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, rechnete vor, die Kammern hätten 3,7 Prozent neue Ausbildungsverträge eingeworben. Weggefallene Ausbildungsplätze sind dabei nicht gegengerechnet.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, bezeichnete die ersten Ergebnisse des auf drei Jahre geschlossenen Paktes als "durchaus akzeptabel". Er warnte vor einer neuerlichen Diskussion um die Ausbildungsplatzabgabe. Ver.di-Vize Werneke rechnet hingegen damit, dass "mehr Jugendliche unversorgt bleiben als in der Vergangenheit". Wenn die Bilanz so negativ ausfallen sollte, müsse die Ausbildungsplatzabgabe kommen, forderte Werneke.

Auch die Grünen-Bildungsexpertin Grietje Bettin fürchtet, es könnte "noch weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr" geben. Sollte sich das bestätigen, wäre dies "ein schlimmes Signal an die Jugendlichen". Wenn jeder fünfte junge Mann in Sachsen die NPD gewählt habe, hänge dies auch "mit dem Mangel an Ausbildung und an Zukunftsperspektive zusammen." Bettin forderte, wegen der drohenden Ausbildungslücke eine "Stiftung zur Förderung der Betrieblichen Bildung" einzurichten.