Kritik an neuer Holzcharta der Bundesregierung

Waldschutz

Der WWF sieht die Verbraucherministerin Renate Künast mit ihrer am Freitag in Bonn vorgelegten "Charta für Holz" auf dem Holzweg. Mit dem Papier setzt sich die Ministerin für eine stärkere Nutzung von Holz aus nachhaltiger Erzeugung ein. "Das Ziel der Ministerin begrüßen wir, aber der vorgeschlagene Weg führt in eine Sackgasse", erklärt WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer. Die Naturschutzorganisation kritisiert, dass die Verbraucherministerin nur schwache Kriterien an eine nachhaltige Waldnutzung anlegt. Auch vermisst der WWF wirksame Maßnahmen gegen die Einfuhr illegalen Holzes aus anderen Ländern.

Die Behauptung der Ministerin, schon heute würden zwei Drittel der deutschen Wälder nachhaltig bewirtschaftet, weist der WWF als Augenwischerei zurück. "Die Maßstäbe, die Frau Künast anlegt, genügen vielleicht der Holzwirtschaft. Für den Wald brauchen wir strengere Kritierien", so Griesshammer. Lediglich fünf Prozent des deutschen Waldes würden heute nach den Maßgaben des vom WWF geförderten Umweltsiegels "FSC" bewirtschaftet. Selbst die Bundesregierung habe sich im Koalitionsvertrag von 2002 auf die Fahnen geschrieben, in ihren Behörden und bei Baumaßnahmen nur noch Holz- und Papierprodukte aus FSC zu beziehen. Umgesetzt wurde dieses Vorhaben jedoch noch nicht.

Die Charta drücke zudem ein mangelndes Bewusstsein für Deutschlands Verantwortung bei der Zerstörung wertvoller Wälder in Russland, Finnland, Asien, Südamerika und Afrika aus. "Für die Exportländer von Holz und Holzprodukten zählt Deutschland zu den wichtigsten Märkten der Welt. Ein enormer Teil dieses Holzes stammt aus illegalem Raubbau in ursprünglichen Wäldern", erläutert Griesshammer.

Künast setzt bei der Eindämmung des illegalen Holzeinschlags auf Selbstverpflichtungen der Wirtschaft. Doch das reicht dem WWF nicht. "Wir brauchen bessere und unabhängige Kontrollen der Holzimporte, der Waldwirtschaft in den Ursprungsländern und in der gesamten Verarbeitungskette", so die Waldexper-tin. Diese ließen sich am besten mit einem wirksamen Gütesiegel erreichen. "Beim Thema Ernährung hat Frau Künast den Verbrauchern mit dem Bio-Siegel einen klaren Wegweiser an die Hand gegeben. Beim Holz drückt sich die Ministerin um eine klare Empfehlung. Das ist bedauerlich und unnötig."

Die Waldbesitzer haben dagegen die Charta für das Holz begrüßt. ?Die Schaffung der Charta für das Holz ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Sie ist das Ergebnis einer konstruktiven Zusammenarbeit verschiedener Akteure aus Politik und Verbänden. Forstministerin Künast ist ein guter Wurf gelungen. Die Branche, also die Arbeitnehmer und Betriebe der Forstwirtschaft, setzen große Hoffnungen in den Erfolg der Charta?, sagte der Präsident der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW), Michael Prinz zu Salm-Salm, im Rahmen der Vorstellung der Charta für mehr Holzverwendung in Bonn.

Grundlegendes Ziel sei es, den Pro-Kopf-Verbrauch von Holz und Holzprodukten in Deutschland um 20 Prozent von derzeit 1,1 m³ auf 1,3 m³ in zehn Jahren zu steigern. Ein aus deutscher Sicht sehr ehrgeiziges Ziel, das allerdings nur einen Anschluss an den europäischen Durchschnitt bedeutet. Die Gefahr einer Übernutzung deutscher Wälder bestehe aus Sicht der AGDW nicht. Im Gegenteil, die für Ende September erwartete Vorstellung der Bundeswaldinventur II könnte ein enormes Rohholz-Nutzungspotential "ohne Beeinträchtigung der Nachhaltigkeit" erweisen.