EU-Kommission entscheidet über Zulassung von Gentech-Saatgut

Gentechnik

Gentech-Saatgut soll erstmals in den EU-Sortenkatalog aufgenommen werden. Darüber entscheidet morgen die EU-Kommission in einer Sitzung. Damit sei, laut der Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), genverändertes Pflanzengut EU-weit freihandelbar und es könne von jedem angebaut und verkauft werden. Bei der Zulassung handelt es sich um die Zulassung von 17 Pflanzensorten des landwirtschaftlichen Großkonzerns Monsanto. Üblicherweise werden laut Moldenhauer, Arten aus den nationalen Sortenkatalog in den EU-Katalog übernommen. So war die Zulassung von Gen-Saatgut innerhalb der EU schon in Spanien, Frankreich und in den Niederlanden erlaubt.

Insgesamt wird über den allgemeinen EU-Sortenkatalog abgestimmt, in dem die 17 Gen-Sorten des "Genmais Mon 810" von Monsanto mitaufgenommen werden sollen. Damit wäre das Reinheitsgebot für Saatgut hinfällig.

Fällt morgen die Entscheidung für die Zulassung dieser Saatgutsorten, gibt es erneut das Problem der Verunreinigungen: Der Anbau von Gentech-Sorten macht es unmöglich, die veränderten Pflanzengene nur auf die Anbaufläche zu reduzieren. Mit dem Pollenflug und der Bestäubung durch Bienen werden Genfreies Saatgut und Gentech-Sorten vermischt. Die Grenzwerte für Verunreinigungen stiegen an.

Gleichzeitig wird es auch um die Festlegung der Grenzwerte gehen und als Tagesordnungspunkt unter "zufällig oder technisch nicht zu vermeidendes Vorhandensein von Spuren genetisch veränderter Organismen in anderen Erzeugnissen" erwähnt. Die EU-Kommission plant Grenzwerte für Mais und Raps-Saaten bei 0,3 und für Zuckerrüben, Kartoffeln und Baumwolle bei 0,5 Prozent. Der BUND warnt die EU-Kommission, dass diese Grenzwerte zu hoch angesetzt seien, weil sie die Vermischung zwischen freien und Gentech-Saatgut unterstützt. So seien die "höheren Grenzwerte" ein "Zugeständnis an die Gentechnik-Industrie".

Das Thema Gentechnik betraf die Verbraucher bisher nur bei fünf landwirtschaftlichen Produkten: Raps, Mais, Baumwolle, Zuckerrüben und Kartoffeln, die mit einer Genkennzeichnungspflicht versehen waren. So konnten diese Produkte importiert und in Futtermitteln und in der Nahrungsherstellung weiterverarbeitet werden, aber nicht angepflanzt und gehandelt werden. Moldenhauer deutet auf die "große Lücke" innerhalb der Kennzeichnungspflicht hin: Besonders Mais würde in erster Linie für die Tierfütterung verwendet. Fütterung von Genfutter müsse aber nicht in den Endprodukten wie Milch und Fleisch angezeigt werden. Würde Gensaatgut zugelassen, stiege die Tierfütterung mit Genprodukten an, denn laut Moldenhauer sei es zu erwarten, dass die Hersteller für Gen-Saatgut den Markt vorerst mit Dumpingpreisen überfluten würden.