Presse in Russland nicht frei

Zensiert und geschlossen

Zwei Journalisten ermordet, 15 Journalisten angegriffen und 18 verhaftet sowie zahlreiche Medien zensiert oder geschlossen - das ist die Bilanz von Reporter ohne Grenzen zur Pressefreiheit in Russland in diesem Jahr. Russland gehört zu den wenigen Ländern in Europa, in denen kritische Journalisten um ihre Freiheit, ihre Gesundheit oder im Extremfall um ihr Leben fürchten müssten, so die Kritik der Organisation. "Das Geiseldrama von Beslan hat gezeigt: Wer - wie Raf Schakirow von der Zeitung Iswestija - von der staatlichen Linie abweicht, kritisch berichtet und emotionale Bilder bringt, verliert seinen Job", sagte Alexej Simonow von der Moskauer Stiftung Glasnost Defense.

Anlässlich des Petersburger Dialogs, der heute und morgen in Hamburg stattfindet, hat Reporter ohne Grenzen (RoG) sich daher in einem offenen Brief an Russlands Präsidenten Wladimir Putin gewandt und fordert ihn auf, sich dringend für eine unabhängige Berichterstattung sowie für die Sicherheit von Journalisten in seinem Land einzusetzen. Auch solle Putin sich wirtschaftlich und politisch für unabhängige Medien engagieren anstatt sie "gezielt zu schwächen".

Auch die russische Journalistin Olga Kitowa berichtete auf dem RoG-Podium von den Grenzen der Pressefreiheit in Russland. Sie habe am eigenen Leib erfahren, was auf kritische Artikel über Korruption, Amtsmissbrauch und Justizwillkür folge: Festnahme, Schläge, Verhöre, zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung. Eine häufige Konsequenz der Journalisten sei daher Selbstzensur, so Kitowa.

Seit Putins Amtsantritt sind gerade unabhängige und freie Medien unter Druck geraten, täglich würden Journalisten eingeschüchtert und bedroht - vor allem in den Provinzen. Besonders alarmiert ist Reporter ohne Grenzen über die Versuche, eine unabhängige Berichterstattung vom Geiseldrama in Beslan zu verhindern: Material sei beschlagnahmt worden, mindestens drei kritische Journalisten wurden, und die Tschetschenien-Expertin Anna Politkowskaja musste ihre Reise nach Beslan wegen einer Vergiftung abbrechen.