Staatliche Medien schüren Gewalt

Elfenbeinküste

Die staatlichen Medien in der Elfenbeinküste werden zunehmend zum Sprachrohr der Regierung und ihrer Verbündeten. Das ergibt eine Auswertung der staatlichen Fernseh- und Radioprogramme durch Reporter ohne Grenzen während der vergangenen Tage. Propaganda, Desinformation und Anstiftung zur Gewalt seien demnach an der Tagesordnung. Rundfunk und Fernsehen dienten vor allem dazu, Ausschreitungen zu organisieren.

In den Sendungen der staatlichen Radioanstalten Radio Côte d'Ivoire (RCI) und RadioTélévision Ivoirienne (RTI) hat Propaganda den Journalismus abgelöst, berichtet Reporter ohne Grenzen berichtet: Zwischen Heimat-Liedern können Hörer im Studio des RCI anrufen und Frankreich samt Präsident Jacques Chirac verwünschen. Der Moderator gratuliert anschließend zum gezeigten Patriotismus. Zudem schürten Sendungen mit Hass-Aufrufen und dem Verbreiten von Halbwahrheiten die Gewalt weiter. In einem Aufruf fordert Reporter ohne Grenzen die staatlichen Medien der Elfenbeinküste daher zu mehr Verantwortung auf, denn sie seien zur wichtigsten Informationsquelle geworden, nachdem die Büros der großen Oppositionszeitungen 24 Heures, Le Patriote und Nouveau Réveil in der vergangenen Woche verwüstet wurden.

"In Krisen wie dieser müssen Journalisten besonders darauf achten, professionell zu arbeiten", so Reporter ohne Grenzen. "Die staatlichen Medien der Elfenbeinküste haben sich während der Unruhen in den vergangenen Tagen nicht an diese Grundsätze gehalten. Sie senden weiterhin einseitige Reportagen und rufen zu Ausschreitungen auf - obwohl die Regierung schon am Sonntag die Rückkehr zur Normalität gefordert hat." Die Organisation meint, wenn Präsident Laurent Gbagbo glaubwürdig sein wolle, müsse er sicherstellen, dass die offiziellen Medien nicht mehr zur Mobilisierung regierungsnaher Miliztruppen missbraucht würden.