Gen-Wälder in der "dritten Welt" als Klimaschutz?

Kyoto-Protokoll

Die Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls haben auf dem letzten Klimagipfel im Dezember 2003 in Mailand ("COP 9") ohne größere Diskussion entschieden, dass genveränderte Bäume als so genannte Kohlendioxid-Senken anerkannt werden sollen. Ihre Anpflanzung würde also als Beitrag zum Klimaschutz gewertet. Diesen Zustand beschreibt die Umweltschutzorganisation Robin Wood anlässlich der zur Zeit laufenden Klimaschutzkonferenz COP 10 - COP steht für Conference of Parties - in Buenos Aires. Die Umweltschützer fürchten, Industriestaaten könnten demnach, anstatt ihren Ausstoß an klimaschädlichen Gasen zu reduzieren, Forstplantagen mit genmanipulierten Bäumen in den Ländern des Südens anlegen und bekämen dies mittels des "Clean Development"-Mechanismus positiv als Klimaschutzaktivität angerechnet.

Robin Wood fordert Bundesumweltminister Trittin auf, sich bei der Klimakonferenz in Buenos Aires für ein weltweites Verbot genmanipulierter Bäume einzusetzen. Der deutsche Verband unterstützt gemeinsam mit 300 weiteren Organisationen aus aller Welt eine entsprechende Petition, die zur Zeit in Buenos Aires diskutiert wird.

"Ergebnis eines Millionen von Jahren dauernden Evolutionsprozesses"

In dem Appell heißt es, die Vielfalt des Lebens auf der Erde sei "das Ergebnis eines Millionen von Jahren dauernden Evolutionsprozesses". Der Versuch, Klimaveränderungen durch die Aufzucht genmanipulierter Bäume zu bekämpfen "würde weltweit zur Schaffung riesiger Plantagen genetisch modifizierter und geklonter Bäume führen."

"Wir befürchten ein riesiges Freilandexperiment mit unabsehbaren Risiken für die Biosphäre", sagte Chris Lang, Robin Wood-Aktivist und Experte des World Rainforest Movement vor Ort in Buenos Aires. "Typische Eigenschaften der Gen-Bäume wie Sterilität und Insekten-Resistenz könnten auf die natürlichen Waldbäume übergehen und das Öko-System massiv stören."

In der internationalen Petition ist von Studien in Populationsgenetik die Rede, die zeigten, "dass der genetische Austausch zwischen Bäumen sich über ganze Kontinente erstrecken kann." Es bestehe demnach "ein wirkliches Risiko, durch die Einführung genmanipulierter Bäume eine Kontamination mit gentechnisch manipuliertem Material auszulösen, die sich über die gesamte Walddecke unseres Planeten ausbreiten könnte."

"Industrielle Baumplantagen führten zu ökologischen Desastern"

Darüber hinaus sind industrielle Forstplantagen, auch ohne genmanipulierte Bäume, nach Auffassung von Robin Wood "eine denkbar schlechte Lösung für das Klimaproblem". Betroffen wären ihrer Meinung nach in erster Linie die ärmeren Länder des Südens, weil dort der Boden für solche Plantagen billig zu haben ist, die Bäume schneller wachsen und entsprechend mehr Kohlendioxid binden.

"Industrielle Baumplantagen haben in der Vergangenheit zu ökologischen Desastern etwa durch Grundwasserabsenkungen geführt. Sie rauben den Menschen vor Ort den Boden, den sie dringend für den Anbau von Lebensmitteln brauchen. Baumplantagen dürfen deshalb grundsätzlich nicht für den Klimaschutz anerkannt werden", fordert Peter Gerhardt, Tropenwaldreferent von Robin Wood.

"Enorm klimaschädliche Waldvernichtung stoppen"

Ein wirkungsvoller Beitrag zum Klimaschutz hingegen sei es, wenn Politik und Industrie die rasante und enorm klimaschädliche Waldvernichtung wie beispielsweise in Indonesien stoppten und die hohen Kohlendioxid-Emissionen in den Industriestaaten drastisch reduzierten.

In der Petition heißt es dazu: "Gesunde und vitale Wälder mit unterschiedlichen Arten können die Fähigkeit unseres lebendigen Planeten, sich der gegenwärtigen Klimaveränderung anzupassen, am ehesten sichern. Sie stellen außerdem die beste Grundlage für eine vielfältige, gesunde und vitale Forstwirtschaft dar, jetzt und in Zukunft."