Zoll entdeckt Koffer voller Singvogelleichen in München

Tierschutz

Bei einer Routinekontrolle mit einem Röntgengerät stießen Zöllner auf dem Münchener Flughafen auf vier Koffer, die randvoll mit streng geschützten Singvögeln gefüllt waren. Im Gepäck eines 40jährigen Italieners, der von Rumänien nach Norditalien unterwegs war, entdeckten die Beamten exakt 2101 tote Wiesenpieper, fein säuberlich gestapelt und verpackt in Plastiktüten. Nach Informationen des Bonner Komitees gegen den Vogelmord sollten die Tiere in Venedig illegal in einem Restaurant an Gourmets verkauft werden.

"Polenta ucelli" (Maisbrei mit Vögeln) oder "Spiedo ucelli" (Singvögel am Spieß) gelten trotz strenger Schutzbestimmungen immer noch als Delikatesse, für die unter der Hand viel Geld bezahlt wird. "Der illegale Verkauf von Singvögeln ist in Italien immer noch ein Millionengeschäft. Schutzbestimmungen interessieren die Täter nicht", berichtet Axel Hirschfeld, Sprecher des Komitees.

Nach Angaben der Vogelschützer werden allein in Oberitalien pro Jahr rund 2 Millionen Drosseln, Rotkehlchen, Finken und andere Zugvögel verspeist. Dabei sind sowohl die Wilderei als auch der Schmuggel professionell organisiert. "Kürzlich wurde sogar versucht, tote Singvögel in Särgen von Rumänien nach Italien zu schmuggeln", so Hirschfeld. Wie das Komitee gegen den Vogelmord weiter mitteilt, werden im Auftrag italienischer Gourmets in Rumänien pro Jahr Hunderttausende Zugvögel an ihren Schlafplätzen abgeschossen oder gefangen.

Wiesenpieper gehören zur Familie der Stelzenvögel und stehen in Deutschland auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Ihr Bestand ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen; nach Angaben des Komitees brüten zur Zeit noch rund 90.000 Brutpaare in Deutschland.