Deutsche Konzerne beantragen mehr CO2-Emissionsrechte als vorgesehen

CO2-Emissionshandel

Deutsche Konzerne fordern mehr als die vorgesehenen 495 Millionen Tonnen CO2-Emissionsrechte. Mit den geforderten Emissionsrechten würde das geplante Budget nach Angaben des Umweltbundesamts um 14 Millionen Tonnen überstiegen werden. Nach Angaben der Frankfurter Rundschau beanspruchten insbesondere der Energieriese Eon, die Stahlbranche und Teile der Zementindustrie mehr der kostenlosen Zertifikate. Die genaue Verteilung wird nach Angaben des Umweltbundesamts vor Weihnachten bekannt gegeben. Jedes der vom Emissionshandel betroffenen Unternehmen muss für seinen CO2-Verbrauch Zertifikate vorweisen. Liegen die geplanten Emissionen über den zugeteilten Emissionsrechten, muss es CO2-Zertifikate dazukaufen - oder Emissionen einsparen. Der Umweltexperte des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Klaus Mittelbach hält die Zertifikat-Vergabe für zu knapp.

Eon und andere Unternehmen haben laut "Handelsblatt" von einer Sonderregelung Gebrauch gemacht. Diese Sonderregelung beträfe neue Betriebs-Anlangen, die unter bestimmten Voraussetzungen einen gleich hohen CO2-Verbrauch wie alte Anlagen beantragen könnten. Der Energie-Konkurrent von Eon, RWE, bräuchte dagegen keine weiteren Zertifikate. Weil durch die beantragten Zertifikaten mit Kürzungen für die anderen zu rechnen sei, hätte sich RWE bei der Regierung beschwert. In Regierungskreisen heiße es, dass Anlagen ohne Sonderregelung einen Ausgleich erhalten sollen, um "ihre Belastungen nicht zu groß werden zu lassen."

Die überhöhten 14 Millionen Tonnen CO2-Emissionen würden durch Streichungen getilgt werden, so Katja Rosenbohm von der deutschen Emissionsstelle. Unter die Kürzungen fielen all jene Anträge, die nicht Sonderregelungen sind. So sind von den Kürzungen weder Prozess bedingte Emissionen während des Produktionsverlaufs, noch Unternehmen betroffen, die früh CO2 reduzierend produzierten.

Insgesamt werden etwa 1860 Unternehmen Zertifikate vergeben, die dann innerhalb der EU frei handelbar sind. An der Leipziger Börse werden regelmäßig der Marktpreis für eine Tonne Kohlenstoffdioxid bekannt gegeben. Die Frankfurter Rundschau berichtet von 8,70 Euro pro Tonne CO2.

Das 1997 unterzeichnete Kyoto-Protokoll sieht das marktwirtschaftliche Instrument des Emissionshandels vor, um die angestrebte Reduktion von Treibhausgasen so kostengünstig und unternehmensfreundlich wie möglich zu gestaltetn. Das Protokoll wurde von den meisten Industrieländern mit Ausnahme der USA ratifiziert. Mit der immer wieder hinausgezögerten Ratifizierung durch Russland trat das Kyoto-Protokoll in diesem Jahr in Kraft.

Mit dem Protokoll verpflichten sich die Industrieländer den CO2-Ausstoß bis zum Jahre 2012 um fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Von insgesamt sechs Treibhausgasen des Kyoto-Protokolls wird zunächst nur Kohlenstoffdioxid (CO2) erfasst. Beginn des Emissionshandel ist 2005.