Schläge für Greenpeace-Aktivisten bei Müller-Milch

Getreten & geschlagen

Bei Protesten von als Nikoläuse verkleideten Greenpeace-Aktivisten gegen den Lebensmittel-Konzern Müller-Milch ist es am Montag zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Greenpeace bot den zur Arbeit kommenden Müller-Mitarbeitern Öko-Joghurt und Öko-Buttermilch an. "Statt sich zur Adventszeit auf Tierfutter ohne Gen-Pflanzen zu besinnen, lässt Müller unverdrossen weiter Gen-Futter einsetzen", lautete die Kritik der Umweltschutzorganisation für die Bio-Joghurtgeschenke.

Hintergrund der Proteste ist ein Streit zwischen Greenpeace und Müller-Milch über genmanipuliertes Tierfutter bei der Milchproduktion. Nach Angaben von Greenpeace-Sprecherin Carmen Ulmen wurden die acht Aktivisten von Dutzenden Müller-Mitarbeitern geschubst, getreten und geschlagen. Sogar Konzernchef Theo Müller senior habe sich an dem Streit auf dem Kundenparkplatz beteiligt. "Einem anwesenden Fotografen entriss er die Kamera und zerschmetterte sie", so Greenpeace. Eine zweite Kamera sei einer Müller-Angestellten zum Opfer gefallen. Erst die anrückende Polizei habe die Situation entschärfen können. Ernsthaft verletzt wurde aber offenbar niemand.

In Leppersdorf griffen die Müllerianer nach Greenpeace-Angaben zum Feuerwehrschlauch. Bei wenigen Graden über dem Gefrierpunkt wurden die Greenpeacer außerhalb des Firmengeländes bis auf die Knochen nass gespritzt.

Auch in Freising-Weihenstephan versuchte rund ein halbes Dutzend der Umweltschützer Bio-Joghurt an Müller-Mitarbeiter zu verteilen. Hier lief die Aktion aber absolut friedlich ab. Die Demonstranten wurden nach wenigen Minuten vom Werksschutz und der Polizei des Geländes verwiesen.

Greenpeace: Drei Gründe gegen genmanipulierte Pflanzen

Greenpeace fordert von Müller, auf genmanipuliertes Tierfutter zu verzichten, um so den weltweiten Anbau von Gen-Soja und Gen-Mais nicht weiter zu fördern. "Wir lehnen den Anbau genmanipulierter Pflanzen ab." Dafür gebe es drei Hauptgründe.

Zum einen breiteten sich Gen-Pflanzen unkontrolliert in der Natur aus. Damit gefährdeten sie die gentechnikfreie Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. "Wer will, dass auch seine Kinder noch gentechnikfrei erzeugte Joghurts im Milchregal finden, muss sich deshalb heute gegen Gentechnik auf dem Acker wehren", so Greenpeace.

Außerdem müssten Bauern nach wenigen Jahren Anbau von Gen-Soja immer mehr und härtere Pflanzenvernichtungsmittel spritzen, um resistent werdende Wildkräuter zu bekämpfen. "In Argentinien riefen solche Giftduschen auf Gen-Soja-Feldern bereits Krankheiten bei der Bevölkerung hervor."

Der dritte Grund: "Für den Anbau von Gen-Soja wird südamerikanischer Regenwald zerstört." Die weltweite Nachfrage nach Futter-Soja steige an. Deshalb dehnten Investoren in Argentinien und Brasilien die Soja-Anbaufläche immer weiter aus und rodeten dazu große Waldflächen. In Argentinien werde auf den gerodeten Flächen hauptsächlich Gen-Soja angepflanzt.

Milchindustrie sieht "zweifelsfreie Beweise"

Müller-Milch hat auf die Vorfälle offiziell offenbar nicht reagiert. Das Unternehmen verweist lediglich auf ältere Pressemitteilungen unter anderem des Deutschen Raiffeisenverbandes. Darin wird kritisiert, dass das Oberlandesgericht (OLG) Köln Greenpeace die Verwendung des Begriffes "Gen-Milch" erlaubt hat.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben nach Auffassung des Raiffeisenverbandes "zweifelsfrei bewiesen", dass gentechnisch veränderte Futtermittel keinerlei Veränderungen der Milch bewirken. Die Verwendung des Begriffes "Gen-Milch" führe zu einer wissenschaftlich völlig unbegründeten Verunsicherung der Verbraucher und unterbinde jeglichen sachlichen Dialog. Welche Untersuchungen die "zweifelsfreien Beweise" ergeben haben sollen, teilt der Verband nicht mit.