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Dioxin belastet landwirtschaftliche Produkte - auch Freiland-Eier

Eier-Streit

Als Konsequenz aus den überhöhten Dioxinwerten in Freilandeiern fordert Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) verstärkte Anstrengungen im Umweltschutz. "Wir müssen mit konsequenter Umweltpolitik dafür sorgen, dass Dioxin reduziert wird und aus unserer Umwelt verschwindet", sagte Künast. Die baden-württembergische Landesregierung kündigte am Montag an, die landesweit 20 größten Freilandbetriebe zu überprüfen. Tierschützer warnten unterdessen vor einer Diffamierung der Freilandhaltung.

Künast betonte, die Wissenschaft wisse schon seit Jahrzehnten von der generell höheren Dioxin-Gefahr bei Freilandeiern, da Hühner das Umweltgift Dioxin, das sich auch in Fisch, Milch und Muttermilch finde, durch den Boden aufnehmen. Die Länder hätten nun die Pflicht, belastete Eier vom Markt zu nehmen. Ein Sprecherin des Verbraucherministeriums forderte, in Betrieben etwa durch Mulchbelag, eine möglichst geringe Dioxin-Belastung zu schaffen.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) warf Künast vor, den Tierschutz über den Verbraucherschutz gestellt zu haben. Er habe die Ministerin immer darauf hingewiesen, dass bei Hygiene und Schadstoffen große Bedenken gegen die Freilandhaltung bestünden, sagte Ehlen. Doch das habe die Grünen-Politikerin "laufend vom Tisch gewischt".

"Bundesverband Deutsches Ei"

Auch der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsches Ei (BDE), Bernd Diekmann, warf Künast vor, den Verbrauchern sei die Information wissentlich vorenthalten worden, dass auf und im Boden abgelagerte Dioxine von freilaufenden Hühnern aufgenommen würden und in die Nahrungskette gelangen könnten.

Die agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Ulrike Höfken, betonte dagegen, die Dioxin-Belastung der Böden sei ein generelles Problem für die Landwirtschaft. Der regelmäßige Austausch der Böden und die Begrünung der Auslaufflächen seien zu prüfen. Grünpflanzen absorbierten das vorhandene Dioxin im Boden.

Tierschützer betonten, dass die bei Stichproben gemessene erhöhte Dioxinbelastung in Freilandeiern nicht als Argument für Käfigeier tauge. Die Ergebnisse der Stichproben dafür zu missbrauchen, ein Loblied auf Käfigeier anzustimmen, sei "ein untauglicher Versuch", die Haltungsform Freiland zu diffamieren, sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. Dioxinbelastungen des Bodens hätten ihre Ursache nicht in der Haltungsform, sondern seien durch andere Umweltbelastungen verursacht, die es eiligst zu beseitigen gelte.

Der BUND für Umwelt und Naturschutz kritisierte, es sei auffällig, dass Länder, die im Bundesrat immer für eine Käfighaltung gestimmt hätten, "jetzt plötzlich erhöhte Dioxinwerte melden".

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte die Eierproduzenten auf, mit Dioxin belastete Eier zurückzurufen. Zudem müssten die Produzenten die Analysen der Eiersubstanzen im Internet veröffentlichen. Gleichzeitig gaben die Verbraucherschützer Entwarnung: Bei dem Verzehr von zwei bis drei Eiern die Woche gebe es keine akute Gesundheitsgefährdung.