Thailändische Opfer beklagen Benachteiligung gegenüber Touristen

Tsunami-Katastrophe

Thailändische Opfer der verheerenden Tsunami-Flutkatastrophe fühlen sich gegenüber Touristen benachteiligt. Der Fokus der thailändischen und internationalen Hilfskräfte habe eher auf den Urlaubszentren der Ferieninsel Phuket und der Region um Khao Lak gelegen, sagte der Direktor der Feuerwehrbrigade des Fischerortes Ban Nam Khaem, Boonrong Sangdow.

In Ban Nam Khaem, einem Ort rund 20 Kilometer nördlich von Khao Lak, lebten vor der Flutkatastrophe rund 10.000 Menschen. Wie viele der Einwohner in den mörderischen Wellen vom zweiten Weihnachtsfeiertag ums Leben kamen, war nach Angaben Sangdows auch am achten Tag nach dem Unglück noch völlig unklar. Im Gegensatz zu den Touristenzentren gebe es in Ban Nam Khaem keine Listen von Vermissten, Überlebenden und identifizierten Toten.

Das Fischerdorf wurde durch das Tsunami-Unglück fast vollständig zerstört. In der direkt ans Meer gebauten Ortschaft ohne touristische Infrastruktur stehen nur noch wenige Häuser. Am Tag des Seebebens habe es für die Schwerverletzten überhaupt keine ärztliche Versorgung von außerhalb gegeben, beklagte Feuerwehrchef Sangdow. Erst ab Montag vergangener Woche sei vereinzelt Hilfe eingetroffen. Auch Kräfte aus Deutschland seien an zwei Tagen vor Ort gewesen.

"Vielleicht ist nur deshalb so spät und so wenig Hilfe gekommen, weil es bei uns in den völlig zertrümmerten Hütten und Häusern sowieso keine Chance auf Überlebende gab", mutmaßte der Thailänder. Vermutlich hätten die Rettungskräfte mehr Hoffnung auf überlebende Flutopfer in die solide gebauten Hotelanlagen gesetzt. Inzwischen seien aber auch in Ban Nam Khaem ausreichend Retter eingetroffen.

Am Montag wurde in dem zerstörten Fischerort ein Tümpel ausgehoben. Nach Angaben Sangdows sollen sich dort Vermutungen der restlichen Bevölkerung zufolge noch Dutzende Tote befinden. In einer Tempelanlage nahe Ban Nam Khaem lagern derzeit rund 1600 Leichen.