Das Notkühlsystem des Atomkraftwerks Biblis stand teilweise nicht zur Verfügung

"Laufend" Vorkommnisse

Nach Angaben des Hessischen Umweltministeriums hat es im Notkühlsystem des Atomkraftwerks Biblis A einen Defekt gegeben. Durch eine innere Leckage an einer so genannten "Zweitabsperrarmatur" im Not- und Nachkühlsystem hatte sich seit dem 05. Januar in dem dahinter liegenden Strang ein Druck aufgebaut. Eine Untersuchung des TÜV Nord hatte ergeben, dass bei einem Leck im Reaktorkühlkreislauf der betroffene Strang dieses zentralen Sicherheitssystems nicht zur Verfügung gestanden hätte. Die Betreibergesellschaft RWE hat die Hessische Atomaufsicht offenbar erst am 31. Januar über das brisante Ereignis informiert. Der Schaden sei, so RWE, inzwischen behoben.

Auf Nachfrage von ngo-online, sagte der Sprecher des hessischen Umweltministeriums, Torsten Völkert, dass sich vergleichbare Ereignisse "laufend" ereignen würden. Aber zu 99 Prozent passiere nichts Großartiges. Es könne "halt was kaputt gehen", nur müsse das Atomkraftwerk jede kleinere Reparatur melden. Das sei der Unterschied zu anderen Industrieunternehmen.

Völkert deutete andererseits an, dass es sich nicht so ganz um eine Lapalie gehandelt hat: Eine solche Überprüfung müsse nur durchgeführt werden, wenn der Vorfall weitere "theoretisch denkbare Ereignissabläufe" mit sich ziehen "könnte", so Völkert. Mit "derartigen Ereignissabläufen" ist gemeint, dass es bei einem Leck im Kühlkreislauf eines Atomkraftwerks zum Super-GAU kommen kann, wenn die Sicherheitssysteme nicht zur Verfügung stehen. Das Notkühlsystem ist aber eines der wichtigsten Sicherheitssyteme.

Wie die Hessische Atomaufsicht weiter mitteilte, habe sie "nach Diskussion mit der RWE Power AG und dem TÜV Nord" entschieden, die Situation als Vorkommnis der Kategorie "Normal" nach den deutschen Meldekriterien einzustufen.

Vergangene Mängel am Kühlsystem von Biblis A Im Mai 2003 war bekannt geworden, dass die Notkühlung des Atomkraftwerks Biblis A im Ernstfall für viele Jahre nicht sichergestellt war: Die Ansaugfläche vor den Notkühlpumpen war vom ersten Betriebstag an wesentlich kleiner als erforderlich. In den Genehmigungsunterlagen waren 7,3 Quadratmeter als notwendige Fläche genannt. Tatsächlich aber waren nur 5,9 Quadratmeter realisiert worden. Diese Fläche war zusätzlich durch Siebe und Rohre so verdeckt, dass real nur 4,8 Quadratmeter Ansaugfläche vorhanden waren.

Die RWE Power AG ist der größten Arbeitgebers in Biblis. Die "Mehrheit der Bevölkerung" habe sich mit dem Restrisiko eines Atomkraftwerkes "arrangiert", heißt es in einem Bericht über den Ort im Hessischen Rundfunk aus dem Sommer 2004. Dem psychologischen Nachteil "versuchen wir mit Öffentlichkeitsarbeit entgegenzutreten", sagt Jürgen Haag vom Kernkraftwerk Biblis.