Franzosen gehen wegen der Wirtschaftspolitik auf die Straße

Rekordgewinne & Arbeitslosigkeit

Arbeitnehmer und öffentliche Bedienstete demonstrieren in Frankreich massenhaft für eine andere Wirtschaftspolitik. Im Mittelpunkt der Proteste steht der Kampf gegen eine Auflockerung der 35-Stunden-Woche sowie der Einsatz für eine Erhöhung der Kaufkraft, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Viele Franzosen betrachten offenbar mit Mißfallen, wie die französischen Großunternehmen in jüngster Zeit Rekordgewinne erzielt haben und die Aktienkurse kletterten, während gleichzeitig die Arbeitslosenquote auf 10 Prozent gestiegen ist. Staatlich angestellte Forscher protestierten zudem, weil die Regierung in ihren Augen eine Stärkung der industrienahen Forschung anstrebe und dabei die Grundlagenforschung vernachlässige. Nach Angaben der FAZ haben fast alle Gewerkschaften zum Streik oder zu Demonstrationen in über 40 Städten aufgerufen. Es wurde erwartet, dass in Paris und in anderen französischen Großstädten der öffentliche Verkehr weitgehend stillstehen wird.

Die französische Regierung beobachtet die Mobilisierung offenbar mit Beunruhigung. Den Gewerkschaften ist es Anfang des Jahres offenbar gelungen, eine breite Koalition zwischen gemäßigten und radikaleren Organisationen herzustellen. Schon am 5. Februar kam es zu heftigen Protesten gegen die von der Regierung geplante Auflockerung der 35-Stunden-Woche.

Die Regierung befürchtet laut FAZ, dass das angespannte soziale Klima zu einem Protestvotum am 29. Mai führe könne, wenn das Referendum über die Europäische Verfassung stattfindet.