Deutsche Militärsatelliten mit russischen Raketen ins All

Rüstungskooperation

Deutschland und Russland wollen ihre Rüstungskooperation verstärken und auch in Raumfahrtfragen enger zusammenarbeiten. Dazu gehöre, deutsche Militärsatelliten mit russischen Trägerraketen ins All zu befördern, sagte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Iwanow in Berlin. In einer gemeinsamen Expertenkommission sollen weitere Kooperationsfelder geprüft werden, zunächst im marinetechnischen Bereich.

Nachdrücklich warb Iwanow für einen gemeinsamen europäischen Raketenschild. Dafür böten sich die russischen Boden-Luft-Raketen vom Typ S-300 (NATO-Code: SA-10 Grumble) an, die nicht nur Kampfflugzeuge und Marschflugkörper, sondern in einer Weiterentwicklung auch ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen könnten. Sein Land arbeite bereits an einem Nachfolgemodell S-400.

Gegenwärtig wird in Deutschland eine Beteiligung am neuen Luftabwehrsystems MEADS geprüft, das in Zusammenarbeit mit den USA und Italien entwickelt und ab 2012 für die Bundeswehr verfügbar sein soll.

Nach Angaben von Struck wird es künftig möglich sein, die deutschen ISAF-Truppen in Afghanistan auch auf dem Landweg über Russland mit Nachschub zu versorgen. Bisher wird dies nur im Überflug über russisches Staatsgebiet abgewickelt. Laut Iwanow wurden allein im vergangenen Jahr 25 000 deutsche Soldaten bei 230 Transitflügen transportiert. Dabei habe es keinerlei Probleme gegeben. Erstmals werde nun einem ausländischen Staat gestattet, längerfristig seine Truppen auch per Eisenbahn durch Russland zu befördern.